Die Nationalbank vermietet ihren Kassensaal – an wen, das ist Gegenstand einer pikanten Diskussion.

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So richtig willkommen ist sie – aus jetziger Sicht – nicht. Im Kassensaal der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) findet am 13. und 14. November eine internationale Konferenz statt, die Austrian Economics Center sowie Hayek-Institut unter Barbara Kolm (mit)veranstalten. Konferiert wird laut Ankündigung im Internet über "Die österreichische Schule der Nationalökonomie im 21. Jahrhundert", "libertäre" Ökonomen werden die Referate halten, ebensolche teilnehmen.

Und: Dem umstrittenen US-Historiker, Autor, Blogger und Podcaster (Contra Krugman) Thomas Woods soll der 2019 Hayek Lifetime Achievemet Award verliehen werden. Woods gilt als Murray-Rothbard-Anhänger; der US-Ökonom war Vordenker der anarchokapitalistischen Bewegung und der Libertarian Party. Harvard- und Columbia-Absolvent Wood war zudem bei der Gründung der rassistischen, weißen und nationalistischen League of the South dabei, die er auch unterstützte. Man könnte ihn also getrost einen extrem Rechten nennen.

"Nowotny nicht zuständig"

Nun sind Veranstaltungen im Kassensaal der OeNB nicht selten – diese entbehrt aber doch nicht einer gewissen Pikanterie. Mitveranstalterin Kolm ist immerhin von der FPÖ getragene Vizepräsidentin des OeNB-Generalrats. Und: OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny (SPÖ) hat offenbar gar keine Freude mit dem Event im Kassensaal. Ein OeNB-Sprecher: "Diese Veranstaltung ist von Gouverneur Nowotny nicht genehmigt."

Das bestätigt Kolm: "Ich habe den aktuellen Gouverneur nicht gefragt, da das nicht in seine Zuständigkeit fällt." Nowotny amtiere nur noch bis 31. August; sie habe das mit seinem Nachfolger Robert Holzmann besprochen.

Noch nicht studiert

Stimmt, sagt Holzmann: "Ich plane sicherlich, das zu genehmigen. Auch wenn da Leute auftreten, die nicht notwendigerweise meine ökonomische Richtung vertreten." Er sei da "intellektuell offener", man solle doch mehr diskutieren, vor allem auch gegensätzliche Meinungen. Holzmann, der am 1. September auf einem FPÖ-Ticket in die OeNB einziehen wird: "Das macht Fortschritt aus." Er gesteht aber zu, dass er die Einladung noch nicht im Detail studiert habe – das werde er noch tun.

Kolm erklärt die Wahl des Veranstaltungsorts in ihrer Rolle als Austrian-Economics- und Hayek-Institut-Chefin so: Viele Konferenzen fänden in der OeNB statt, man könne durchaus auch einmal Papers renommierter Ökonomen der Austrian School dort diskutieren. Ob Preisträger Woods nicht ein extrem rechter Rothbard-Ökonom sei? Nein, Rothbards Schule "ist nicht extrem rechts, sondern libertär", und dasselbe gelte auch für Woods' ökonomische Thesen. Deswegen bekomme er ja auch den Hayek-Preis: Er habe eine breite Diskussion zum Thema Liberalismus und Freiheit angefacht und damit einen Beitrag zur Meinungspluralität geleistet.

Preisverleihung ausgelagert

Kolm auf die Frage, ob der künftige Gouverneur den Preisträger kenne: Man könne davon ausgehen, dass Woods allen namhaften heimischen Ökonomen bekannt sei. Was die Preisverleihung betreffe, werde die aber sowieso nicht in der OeNB stattfinden.

Und was wird die Einmietung in den Kassensaal kosten? Sie werde den "üblichen Gepflogenheiten für Konferenzen in der OeNB entsprechen", bleibt Kolm etwas schwammig, während Holzmann von "minimalen" Kosten ausgeht.

Tatsächlich kostet ein Tag Kassensaal alles in allem 4000 Euro. Catering nicht eingerechnet. (15.6.2019)