In ganz Österreich finden sich zahlreiche Projekte und Initiativen, die Schülerinnen und Schüler inspirieren, Schulen besser machen oder Lücken im Bildungssystem schließen wollen. Wir präsentieren eine Auswahl kluger Initiativen, die Mut machen.

Junge Menschen zum Lernen vernetzen, das will die App Talentify.
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Nachhilfe neu denken

Acht Prozent der österreichischen Familien geben an, außerschulische Nachhilfe für ihr Kind zu benötigen, sich diese aber nicht leisten zu können. Satte 109 Millionen Euro flossen 2018 trotzdem in Nachhilfe, denn der Bedarf ist ungebrochen. Oft hilft ein Familienmitglied oder jemand aus der Nachbarschaft, der Grammatik oder Matrizenrechnung einmal beherrscht hat, aus dem Lernalltag aber meist draußen ist. Die österreichische App Talentify.me will junge Menschen miteinander vernetzen, die sich gegenseitig in schulischen Dingen weiterhelfen können. 14- bis 19-Jährige können damit "Lernpartner" und neue Freunde finden. Diese vereinbaren dann einen Tarif pro Einheit zwischen null und zehn Euro. (faso)

Menschenrechte sind mehr als nur Gebäude und Konventionen.
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Recht praktisch

Mit Ethikunterricht wird in Österreich schon seit Jahrzehnten experimentiert – über den Schulversuch hinaus hat es Ethik als Fach bisher aber nicht geschafft.

Das Europäische Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie (ETC) in Graz will unabhängig davon mehr Menschenrechte in die Schulklassen bringen. Im Unterricht gehe es meistens um Afrika, China und Entwicklungshilfe, sagt ETC-Direktor Klaus Starl. Ziel sei es aber, Menschenrechte greifbar zu machen und etwa auf Hausordnung oder Handypolitik umzulegen. Zehn Schulen nehmen bereits teil.

Manche gehen aber noch weiter: In der Oberstufe der Freien Waldorfschule Innsbruck gibt es bereits seit dem Schuljahr 2002/2003 ein eigenes Schulfach namens Menschenrechte. (pp)

Spielen kann ganz schön lehrreich sein.
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Play hard, learn hard

Zwei Drittel der Zwölf- bis 19-Jährigen spielen mehrmals pro Woche Computerspiele. Logisch, als Pädagoge oder Elternteil in diese Welt eindringen zu wollen. Oft passiert das mit öden Lernspielen, obwohl es genug Games gäbe, die Spaß machen und nebenbei viel von Moral, Politik, Krieg oder Wirtschaft erzählen.

Welche Spiele das genau sind, hat die Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von digitalen Spielen auf ihrer Website zusammengefasst. Dort gibt es auch Tipps für Lehrpersonen, wie man Spiele im Unterricht einsetzen kann. (pp)

Gelacht und gelernt

Late-Night-Hosts wie John Oliver, Trevor Noah oder Stephen Colbert vermitteln seit Jahren gesellschaftsrelevante Themen in Form witziger Inhalte – und bringen sie so Menschen näher, die sich für "trockene" Politik sonst wenig begeistern würden. Im Rahmen des Projekts "Humor und Nachhaltigkeit" an der Wirtschaftsuniversität Wien erstellen Studierende seit gut einem Jahr humoristisch gestaltete Videos zu Themen, die relevanter nicht sein könnten: Elektromobilität, Fast Fashion, Bienensterben, Tourismus, Sharing Economy. Prominente Unterstützung gab es vom Kabarettisten und "Staatskünstler" Florian Scheuba. (faso)

Es tut weh, wenn sie stechen, aber noch viel mehr, wenn sie verschwinden.
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Be(e)geisterung

Wachs, Honig, Bestäubung: Es gibt viel zu erfahren über eines der Zentralinsekten unseres Ökosystems. In Zeiten des großen Artensterbens, wo in Forschungslaboren bereits an künstlichen Bienen für die automatisierte Bestäubung getüftelt wird, ist es wichtig, jungen Menschen die Relevanz der schwarz-gelben Helferlein für Natur und Mensch zu vermitteln.

Im Rahmen des Projekts Be(e)geisterung lernen deshalb vier dritte Klassen der Wiener Neuen Mittelschule Dirmhirngasse dieses und kommendes Schuljahr die Lebenswelt der Bienen besser kennen – und erfahren im Detail, was sie für unser Leben bedeuten. (faso)

Das Ergebnis der Forschungen: ein Gemüse-Nudel-Muffin.
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Billig, praktisch, gut

Snacks für die Schule oder fürs Büro sollen gesund, günstig und vor allem praktisch sein. Das ist gar nicht so einfach. Statt des selbstgemachten Linsensalats wird es deshalb öfter der fetttriefende Kebab oder ein letschertes Fertigweckerl mit dubiosem Inhalt.

16- bis 18-Jährige an zwei Grazer Schulen forschen seit dem vergangenen Schuljahr an der perfekten Jause: Young Tech for Food heißt das Projekt, das Forscher der FH Johanneum mit Schülern zusammenbringt. Die ersten Ergebnisse: Muffins aus Nudeln und Gemüse, Dinkel-Käse-Cracker, Smoothies und kugelförmige Energybites. Mahlzeit! (pp, 17.6.2019)