Die Alitalia trudelt wohl unaufhaltsam dem definitiven Grounding entgegen.

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Heute Samstag läuft die Frist ab, innerhalb der etwaige Käufer für die Alitalia ein verbindliches Übernahmeangebot hätten einreichen können. Die Deadline war bereits dreimal verlängert worden, und sie wurde noch ein viertes Mal hinausgeschoben – bis 15. Juli. Denn das Interesse der Investoren an der Fluglinie in den italienischen Nationalfarben ist, freundlich ausgedrückt, überschaubar.

Die Alitalia steht seit Mai 2017, als ein heimisches Unternehmerkonsortium und die arabische Airline Ethiad mit einem weiteren Reanimationsversuch für den ehemaligen Staatsflieger gescheitert waren, unter der Verwaltung von drei von der Regierung eingesetzten Sonderkommissaren. In der Luft hält sie sich dank zwei Überbrückungskrediten der Regierung in der Höhe von 600 und 300 Millionen Euro, von denen etwa die Hälfte aufgebraucht ist. Auch der Rückzahlungstermin für den Kredit ist schon mehrfach verschoben worden.

Hauptaktionär gesucht

Angesichts des Ausbleibens konkreter Offerten hatte die Regierung im vergangenen November zu einer Maßnahme gegriffen, die zunächst wie ein schlechter Witz wirkte, aber ernst gemeint war: Auf sanften Druck aus Rom kündigten die Staatsbahnen (Ferrovie della Stato) an, sich mit 30 Prozent an Alitalia zu beteiligen. Die US-Airline Delta erwägt, mit 15 Prozent mitzuziehen, und der italienische Staat würde seinen Überbrückungskredit teilweise in Aktienkapital umwandeln und käme so ebenfalls auf 15 Prozent des Aktienkapitals. Es fehlt nur noch ein Hauptaktionär für die restlichen 40 Prozent.

Ein solcher erschien diese Woche in der Gestalt von Claudio Lotito, dem Präsidenten des Römer Fußballvereins SS Lazio. Der aus den Abruzzen stammende Reinigungsunternehmer, der mit seinen Putzkolonnen zum Millionär geworden ist, hat am Mittwoch bestätigt, für Alitalia ein Übernahmeangebot eingereicht zu haben. Lotito ist in Rom bekannt wie ein bunter Hund, war schon in diverse Fußballskandale verwickelt und ist im Zusammenhang mit antisemitischen Parolen rechtsradikaler Lazio-Ultras auch schon in sehr unschöne Fettnäpfchen getreten.

Sparsamer Unternehmer

Woher er die mehrere hundert Millionen Euro hernehmen will, die er in die Alitalia stecken müsste, hat der als überaus sparsam bekannte Lotito bisher nicht verraten. Die Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore" hat darauf hingewiesen, dass die Lazio-Spieler zum Teil bis zu drei Monate auf ihre Gehälter warten müssen; außerdem ist Lotitos Verein noch bis ins Jahr 2028 damit beschäftigt, eine dreistellige Steuerschuld abzustottern. Der frühere Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Carlo Calenda, hat die Alitalia-Pläne des Lazio-Bosses denn auch umgehend als "lächerlich" bezeichnet.

Die Rettung der Alitalia droht allmählich zur Farce zu werden – und zu einer Belastung für die Regierung in Rom, insbesondere für den ratlos wirkenden Vizepremier und Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Luigi Di Maio von den Fünf Sternen. Bei der Alitalia stehen immerhin 11'000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Di Maio hat den Beschäftigten versprochen, dass bei der Sanierung der Fluggesellschaft sämtliche Jobs erhalten blieben – obwohl die fliegende Geldvernichtungsmaschine täglich eine halbe Million Euro verliert.

Die Jobgarantie und die sich abzeichnende staatliche Beteiligung und damit Einmischung sind aber letztlich die zentralen Gründe, welche die deutsche Lufthansa und andere eventuelle Käufer abschrecken. Und so trudelt die Alitalia, mehr als zwei Jahre nach der letzten Pleite und in Gesellschaft von immer groteskeren weißen Rittern, unaufhaltsam dem definitiven Grounding entgegen. (Dominik Straub, 15.6.2019)