Gestern hat es ihn in Lateinamerika gegeben, in Österreich hat man vor kurzem für den Ernstfall geübt – gemeint ist der Blackout, der großflächige und lang andauernde Stromausfall. Den hat es hierzulande seit den Jahren unmittelbar nach dem Krieg nicht mehr gegeben. Daher herrscht auch wenig Bewusstsein über die Folgen eines Blackouts – kein Licht, kein Wasser, kein Telefon (auch die Akkus der Handys entleeren sich früher oder später). Das Essen im aufgetauten Kühlschrank verdirbt und mangels Spülwasser stinkt es aus den Toiletten.

Bedarfsspitze, Managementfehler oder Cyberattacke?

Gestern hat es die Menschen in Argentinien, Uruguay und darüber hinaus erwischt. Die Ursache ist noch nicht bekannt. Auf der südlichen Halbkugel beginnt gerade der Winter und es ist gut möglich, dass der wachsende Heizbedarf dem Stromnetz zu sehr zusetzt. Das mit dem Wintereinbruch kann allerdings auch nur eine Ausrede für unfähiges Management sein. Jemand, der für Verschwörungstheorien anfällig ist, denkt natürlich an einen Cyberangriff, zumal die New York Times gerade am Wochenende enthüllt hat, dass die USA vermehrt Cyberattacken gegen Russland durchführen. Doch wer sollte ein Interesse daran haben, ganz Lateinamerika zu destabilisieren?

Das Stromnetz kann auch hierzulande ausfallen

Egal. Fakt ist, dass sich die Österreicher fast ein Dreivierteljahrhundert ausgezeichneter Grundversorgung erfreuen konnten. Die ist zunehmend gefährdet. Beim Stromnetz sind es drei Risikofaktoren: 1. Zunehmender Bedarf (immer mehr Klimaanlagen und Elektrogeräte), 2. Klimabedingte Störungen (ausgetrocknete Stauseebecken) und 3. potentielle Cyberangriffe. Am Land wird man sich vielleicht ein paar Tage lang ohne Strom durchschlagen können. Das frische Wasser kommt direkt aus dem Berg oder aus dem Brunnen. Wenn allerdings ein paar hunderttausend Menschen eng in einer Stadt zusammenwohnen, wird die Verteilungsfrage schnell akut. (Markus A. Gaßner, 17.6.2019)

Zum Thema:

Blackout in Südamerika – Argentinien großteils und Uruguay ganz ohne Strom

USA verschärfen Cyberangriffe auf russisches Stromnetz

Blackout: Worauf man sich bei einem längeren Stromausfall einstellen muss

Link:

"Digitaler Stillstand" - Bericht des ITA

Vom Autor:

Kritische Infrastruktur – die (ignorierte) Warnung vor der Katastrophe

Wenn die Drohne den Flugverkehr lahmlegt

Keine Digitalisierung ohne Datenmissbrauch