Sandra Torres ist siegessicher.

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Guatemala-Stadt – Die Mitte-Links-Kandidatin und frühere Präsidentengattin Sandra Torres ist bei der Präsidentschaftswahl in Guatemala in Führung gegangen. Die Sozialdemokratin von der Partei UNE kam nach der Auszählung von über 90 Prozent der Wahllokale auf 25,27 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt am Montag mitteilte.

An zweiter Stelle lag der konservative Bewerber Alejandro Giammattei von der Partei Vamos mit 14,08 Prozent der Stimmen. Die beiden stärksten Kandidaten gehen in die Stichwahl um das höchste Staatsamt am 11. August.

Guatemala ist von Korruption, Gewalttaten und der Verarmung großer Anteile der Bevölkerung geprägt. Diese Probleme trugen maßgeblich dazu bei, dass sich in den vergangenen Jahren Hunderttausende zur Auswanderung Richtung USA entschlossen. Nach offiziellen Zahlen leben derzeit 1,5 Millionen Guatemalteken in den USA, nur rund 400.000 von ihnen legal. Torres versprach im Wahlkampf Reformen im Gesundheits- und Bildungssystem sowie auf dem Arbeitsmarkt, um die Auswanderung zu stoppen.

Wahlkampfthema Todesstrafe

Giammattei stellte einen verstärkten Kampf gegen die "abscheuliche" Korruption in Aussicht und setzte sich für die Wiedereinführung der Todesstrafe im Kampf gegen bewaffnete Banden ein. Nach den amtlichen Statistiken ist Guatemala mit 22,4 Morden pro 100.000 Einwohnern im Jahr eines der Länder mit der höchsten Gewaltkriminalität.

Zur Stimmabgabe aufgerufen waren gut 8,1 Millionen Wahlberechtigte des zentralamerikanischen Landes. Der scheidende Präsident Jimmy Morales, ein ehemaliger TV-Komiker, durfte nicht erneut kandidieren. Seine Amtszeit endet im Jänner 2020.

Bei dem Wahlgang vom Sonntag ging es auch um die Wahl von 340 Bürgermeistern, 160 Abgeordneten für die Legislatur von 2020 bis 2024 und die Wahl von 20 Abgeordneten für das zentralamerikanische Parlament.

Zweite Runde

Torres äußerte sich bei ihrer Stimmabgabe siegesgewiss. "Ich werde die erste Präsidentin sein", sagte die Kandidatin der Mitte-Links-Partei Nationale Einheit der Hoffnung. Torres ist die Ex-Frau des früheren Präsidenten Álvaro Colom. Um direkt gewählt zu sein, wäre im ersten Durchgang die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erforderlich.

Die frühere Generalstaatsanwältin und Anti-Korruptions-Aktivistin Thelma Aldana, die sich ebenfalls um das Präsidentenamt bewerben wollte, war von der Wahl ausgeschlossen worden. Ihr wurde die Kandidatur wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten während ihrer Zeit als Staatsanwältin verweigert. Gemeinsam mit der Antikorruptionskommission CICIG der UNO, die Korruption und andere kriminelle Machenschaften aufdecken soll, hatte Aldana mehrere ehemalige Präsidenten, Minister und Wirtschaftsmogule hinter Gitter gebracht. Als sie Morddrohungen erhielt, floh die ehemalige Staatsanwältin in die USA. Auf einem Korruptionsindex von Transparency International belegt Guatemala derzeit den 144. von 180 Plätzen.

Nicht zur Wahl zugelassen wurde auch Zury Ríos, die Tochter des früheren Diktators Efraín Ríos Montt. Eine Verfassungsbestimmung sieht vor, dass Angehörige des Ex-Diktators nicht für das höchste Staatsamt kandidieren dürfen.

Obwohl Guatemala die größte Volkswirtschaft der sieben zentralamerikanischen Länder ist und dem Finanzministerium zufolge in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent rechnen kann, leben fast 60 Prozent der über 17 Millionen Einwohner unterhalb der Armutsgrenze.

In einigen Wahlbezirken wurde der Wahlgang wegen Unregelmäßigkeiten ausgesetzt. Er soll dort zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden. (AP, /AFP, 17.6.2019)