Roman Mählich: Im November gekommen, im Juni gegangen worden.

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Wien – Österreichs Bundesligavereine haben in einer nicht offiziell existierenden Liste wohl die Führung übernommen. Am Sonntag hat sich Mattersburg von Trainer Klaus Schmidt getrennt. Allerdings war es ein eher untypischer Fall, Schmidts Vorstellungen stimmten nicht mehr mit jenen des Präsidenten Martin Pucher überein, er löste von sich aus den Vertrag. Sportlich gescheitert ist er nicht, Mattersburg wurde Achter.

Fakt ist: Sieben der zwölf Klubs gehen mit neuen Coaches in die Saison 2019/20. Jesse Marsh (RB Salzburg), Valerien Ismael (LASK), Gerhard Struber (WAC), Christian Ilzer (Austria), Nestor El Maestro (Sturm), Alexander Schmidt (St. Pölten) und eben Mattersburg (Franz Ponweiser).

Markus Schopp überstand als einziger Trainer die Bundesliga-Saison.
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Hartbergs Markus Schopp ist der Einzige, der eine Mannschaft über die komplette Meisterschaft 2018/19 betreut hat. Rapid, Sturm, Altach, die Austria und Absteiger Wacker Innsbruck tauschten ja zwischendurch. Marco Rose und Oliver Glasner passen nicht in die Liste, sie verließen Salzburg und den LASK freiwillig, unterschrieben bei Mönchengladbach beziehungsweise Wolfsburg.

"Gehalt wird Schmerzensgeld"

Gernot Zirngast, der Vorsitzende der Vereinigung der Fußballer (vulgo Spielergewerkschaft) sieht einen "traurigen Trend. Die Trainer sind das schwächste Glied, ihr Gehalt wird in der Tat immer mehr ein Schmerzensgeld." Die Häufung in Österreich mag zum Teil Zufall sein, sie sei aber auch auf die Zwölferliga und die Halbierung der Punkte nach dem Grunddurchgang zurückzuführen. "Die Präsidenten und Sportdirektoren wurden panisch, hielten dem öffentlichen Druck nicht stand. Die Geduld wurde abgeschafft, man schaute auf die kurzfristigen Ergebnisse."

Zirngast verweist auf ein Gegenbeispiel. "Glasner hatte vor zwei Jahren den Aufstieg mit dem LASK verpasst, trotzdem wurde an ihm festgehalten. Und jetzt wurden sie Vizemeister. Das ist leider die Ausnahme." Die Gewerkschaft hat viele Trainer als Mitglieder. Während Profifußballer mittlerweile kollektivvertraglich abgesichert sind, schauen Coaches durch die Finger. "Natürlich sind ihre Gehälter eher gestiegen." Der Betreuerstab sei größer geworden. "Das heißt, bei einer Entlassung muss nicht nur einer gehen. Eine der wenigen Errungenschaften ist, dass sich Trainer zumindest einen Teil des Stabs aussuchen dürfen. Für die Vereine werden Trennungen teurer.

Wenige Jobs

Zirngast hält die Trainerausbildung in Österreich "für prinzipiell gut. Vielleicht könnte man die psychologische Komponente etwas stärken. Denn sie stehen enorm unter Stress, sind Burnout-gefährdet." Der Markt sei extrem klein. "Es gibt ja kaum Jobs. Du musst darauf schauen, in ein Radl reinzukommen. Aber irgendwann fällst du da raus."

Zirngast nennt den Umgang des LASK mit Oliver Glasner als Positivbeispiel.
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Es sei die Regel, "dass du als Trainer Kompromisse eingehen musst. Man nimmt, was man bekommt. Egal ob die Perspektive gut oder schlecht ist." Den Luxus, Bedingungen stellen zu können, hätten nur wenige. "Ein Stöger, ein Hütter, ein Glasner, ein Hasenhüttl. Die verlangen und kriegen Kompetenzen."

Sturm rotiert

Sturm Graz hat seit November den dritten Cheftrainer. Roman Mählich wurde gefeuert, obwohl er sich für die Meistergruppe und den Europacup qualifizierte. Mit Hängen und Würgen, aber immerhin. Zirngast, ohne den Fall im Detail beurteilen zu wollen: "Es geht offensichtlich nicht einmal mehr darum, ob ein Ziel erreicht wurde." Das sei kein Österreich-spezifisches Problem. "Ingolstadt hat in einer Saison vier Trainer verbraucht und ist in die dritte deutsche Liga abgestiegen."

Der Gewerkschafter hat keine Lösungen, nur Ansätze. "In Italien darf man innerhalb einer Saison nur einen Klub in der Serie A betreuen. Das halte ich für eine gute Idee, zwingt die Klubs zu mehr Geduld und Würde." Dietmar Kühbauers Wechsel von St. Pölten zu Rapid wäre also nicht möglich gewesen. Zirngast hofft auf ein Umdenken. "Funktionäre sollten Trainer schützen und nicht beim geringsten Gegenwind fallenlassen." Immerhin sei davon auszugehen, dass die Zahl der Entlassungen in Österreich sinke. "Weil mehr geht nicht." (Christian Hackl, 17.6.2019)