Saß mehrfach in Haft: Joshua Wong.

Foto: REUTERS/Jorge Silva

Wer mit 22 Jahren ein politisches Comeback gibt, der hat zweifellos schon einiges erreicht. "Hallo Welt, hallo Freiheit", schrieb Joshua Wong Montagfrüh auf Twitter – und dann ging die Symbolfigur der Hongkonger Demokratiebewegung gleich im selben Tweet wieder in den Angriff über: "Carrie Lam, treten Sie zurück!" Die Forderung richtet sich an die pekingtreue Regierungschefin des Stadtstaates, die sich gerade an den Protesten gegen ein Gesetz zur Auslieferung an China die Finger verbrannt hatte.

Wobei: "Comeback" ist vielleicht ohnehin das falsche Wort. Joshua Wong war nie wirklich weg – er war nur nicht da, und zwar weil er mehrfach in Haft war. Sechs Monate waren es 2017 für seine Rolle bei den "Regenschirm"-Protesten drei Jahre zuvor, zusätzlich zu mehreren Tagen, die er damals bereits festgehalten worden war. Im gleichen Zusammenhang war er auch heuer, seit Mai, wieder zwei Monate im Gefängnis.

Dass ihn das alles nicht bremst, mag auch daran liegen, dass ihn die Eltern früh auf soziales Gewissen trainierten: Immer wieder führte ihn der Vater, ein Informatiker, als Kind durch Hongkongs Armenviertel, um ihm zu zeigen, dass der eigene bescheidene Wohlstand nicht selbstverständlich sei.

Zehn Jahre Aktivismus

Worauf sein Engagement aber auch gründet: Schon jetzt kann Wong, bei dem im Kindesalter Legasthenie festgestellt wurde, auf fast zehn Jahre Aktivismus zurückblicken: 2010, mit zwölf Jahren, trat er gegen den Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn auf. Kaum später, 2012, organisierte er mit seiner Protestgruppe "Scholarism" Demos mit 120.000 Menschen gegen ein Gesetz zur "moralischen und patriotischen Erziehung". Er hatte Erfolg: Der Plan wurde zurückgezogen.

Daher ist es falsch, wenn Wong in Porträts nun oft als "Posterchild" der "Regenschirm"-Proteste von 2014 bezeichnet wird: zum einen, weil er schon vorher aktiv war – zum anderen, weil er als Organisator eher deren Vater ist. Mittlerweile hat Wong seine Ziele weiter gesteckt. Als Chef der Partei Demosisto fordert er ein Votum über Hongkongs Zugehörigkeit zu China nach 2047. Da endet das Versprechen "ein Staat, zwei Systeme".

Sein Aufbegehren gegen die Mächtigen macht jedenfalls nicht nur Hongkongs Regierung Angst: Auch das autoritäre Thailand und das scheindemokratische Singapur nahmen Wong bei Einreiseversuchen fest, um geplante Vorträge zu verhindern. Seine Botschaft konnten aber weder sie noch Peking bisher stoppen. (Manuel Escher, 17.6.2019)