Ab drei Stunden Verspätung haben Passagiere unter Umständen Anspruch auf finanziellen Entschädigungen. Ein schwacher Trost, wenn man sich schon aufs Disneyland gefreut hatte.

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Schwechat – Ein Kind schreit, das andere muss aufs Klo, der Buggy steht nicht beim Ausgang, sondern kommt über das Gepäckband für Sperrgut. Jetzt zählt jede Minute, um den Anschlussflug nach Florida zu erwischen. Schon kleine Verspätungen können aus dem Erholungsurlaub einen Horrortrip machen. Höhere Macht kann immer zuschlagen, aber manche Airlines sind notorische Nachzügler, während andere sehr pünktlich starten.

Das Fluggastrechteportal Airhelp hat die Daten der 15 größten Airlines hierzulande zwischen dem 1. Jänner und dem 31. Mai analysiert – mit überraschendem Ergebnis. Im schnitt hob fast jeder fünfte Flieger zu spät ab. Die Ausfälle bewegten sich zwischen null und zwei Prozent der Flüge.

Die Billigairlines waren meist pünktlicher als die Traditionsflieger: Am besten schnitt die ungarische Wizz Air ab, dicht gefolgt von der Air-France-KLM-Tochter Transavia und der Lufthansa-Tochter Eurowings. Bei allen drei waren weniger als 15 Prozent der Flüge verspätet. Bei der Wizz war als einziger Airline kein einziger Flug ausgefallen.

AUA schneidet mäßig ab

Der heimische Primus Austrian Airlines landete lediglich auf Platz zehn von 15. Im Schnitt waren bei der AUA fast 21 Prozent der Flüge verspätet. Bei der AUA gelobt man Besserung: "Obwohl es uns gelungen ist, die Zuverlässigkeit unserer Flüge wieder auf ein gutes Niveau zu bringen, kämpfen im Prinzip alle Fluglinien zurzeit mit der Uhr. Die Pünktlichkeit ist nicht dort, wo wir sie haben wollen beziehungsweise wo sie unsere Kunden von uns gewohnt sind. Grund sind Probleme bei den europäischen Flugsicherungsbehörden, insbesondere aber der Streik in Frankreich und Bussteuerungsprobleme am Flughafen Wien. Gemeinsam mit dem Flughafen versuchen wir unser Möglichstes, wieder auf die gewohnte Pünktlichkeit zurückzukehren. Wir bitten unsere Kunden um Nachsicht", sagt AUA-Sprecher Peter N. Thier auf STANDARD-Anfrage.

Bei der ungarische Wizz Air fiel zwischen Jänner und Mai kein Flug am Flughafen Wien aus.
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Das Schlussfeld birgt vielleicht die größte Überraschung: Ausgerechnet die Schweizer Swiss flog notorisch unpünktlich, unterboten nur von der Turkish Airlines. Bei den Schweizern war jeder vierte Flug verspätet, aber nur ein halbes Prozent der Starts wurde abgesagt. Bei Turkish hoben fast 40 Prozent der Maschinen zu spät ab.

Recht auf Entschädigung

"Wie unsere Auswertung zeigt, garantiert ein hoher Ticketpreis nicht automatisch einen pünktlichen Flug", kommentiert Airhelp-Sprecherin Laura Kauczynski die Analyse.

Als Fluggast solle man sich bewusst sein, dass Verspätungen ab drei Stunden sowie Flugausfälle unter Umständen zu finanziellen Entschädigungen berechtigen, betont Kauczynski. Zu wenige würden von diesem Recht Gebrauch machen. (Leopold Stefan, 19.6.2019)