Nach US-Ansicht zu gefährlich für Zivilflugzeuge: die Meerenge von Hormus.

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Übung der iranischen Marine in der Straße von Hormus.

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Washington – Nach dem Abschuss einer US-Drohne durch den Iran hat die zivile Luftfahrtbehörde der Vereinigten Staaten US-Passagierflugzeugen das Überfliegen des Gebiets untersagt. US-Maschinen dürften bis auf weiteres nicht den vom Iran kontrollierten Luftraum über dem Persischen Golf und dem Golf von Oman durchqueren, teilte die Behörde am Donnerstag mit.

Eine Grafik von "Flight Ops" zeigt, dass zahlreiche Flugzeuge zum Zeitpunkt des Drohnenabschusses in der Nähe waren.

"Erhöhte militärische Aktivitäten und verschärfte politische Spannungen" würden ein Risiko für US-Zivilflugzeuge darstellen erklärte die Behörde. Airlines aus den USA und Japan teilten mit, sie würden auch den Iran nicht mehr überfliegen. "Die Gefahr, dass ein Zivilflugzeug im Süden des Iran abgeschossen wird, ist real", betonte die Organisation Ops Group, die weltweit Informationen zu aktuellen Sicherheitsrisiken für Flugzeuge sammelt und verbreitet.

Auch die niederländische Fluglinie KLM, die British Airways und die australische Qantas gaben bekannt, die Region vorerst nicht mehr überfliegen zu wollen. Gleiches gilt für die AUA-Mutter Lufthansa, die allerdings einschränkte, dass die Warnung nicht für den gesamten Iran gelte. Flüge nach Teheran gebe es etwa weiterhin. Auch die AUA selbst teilte mit, sich generell an die Vorkehrungen zu halten – allerdings gebe es aktuell gar keine Flüge der Airline, die über das betreffende Gebiet führen.

Große Sorge, enger Luftraum

Die Iranischen Revolutionsgarden hatten am Donnerstag eine US-Aufklärungsdrohne vor der Küste des Landes abgeschossen. Der Iran erklärte, dass die Drohne den iranischen Luftraum verletzt habe, was die USA zurückweisen. Der Vorfall weckte neue Sorgen vor einer Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran.

In der Region ist es schon einmal zum versehentlichen Abschuss eines Zivilflugzeugs gekommen. 1988 traf eine von der USS Vincennes abgefeuerte Rakete einen Airbus A300 der Iran Air über der Straße von Hormus, 290 Menschen wurden getötet, darunter 66 Kinder. Sowohl das Flugzeug als auch die USS Vincennes befanden sich zu dem Zeitpunkt in beziehungsweise über iranischem Meeresgebiet. Nach Angaben der USA hatte es sich um eine Verwechslung zwischen dem Airbus und einem iranischen Kampfjet vom Typ F14 gehandelt. Mehrere Versuche, das Flugzeug via Funk zu kontaktieren, seien fehlgeschlagen. 1996 einigten sich der Iran und die USA auf eine Erklärung, in der die USA ihr Bedauern über die "menschliche Tragödie" ausdrückten.

Schon bisher war in der Region der für zivile Flugzeuge nutzbare Luftraum ein knappes Gut. Jener über Syrien bleibt nach Empfehlung der meisten Luftfahrtbehörden weitgehend gesperrt, ebenso Flüge über die Sinai-Halbinsel, über den Jemen und über das nahe Somalia. Ein Korridor über dem Irak wurde erst kürzlich wieder geöffnet, allerdings ist nicht das gesamte irakische Gebiet risikolos zu überfliegen. Zudem ist wegen des Streits zwischen Katar einerseits und Saudi-Arabien sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten andererseits der Luftraum des jeweils anderen Gebiets für Flüge gesperrt. Das gilt als besonders besorgniserregend, weil am Golf mehrere große Airlines ihre Drehkreuze in Dubai, Abu Dhabi und Doha haben. (mesc, APA, Reuters, 21.6.2019)