Der Montag steht im Zeichen der Olympischen Spiele.

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Lausanne – Mailand schickt Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte und die Ski-Stars Alberto Tomba und Sofia Goggia, Stockholm hält mit Kronprinzessin Victoria und Regierungschef Stefan Löfven dagegen. Die beiden Bewerber für die Olympischen Winterspiele 2026 setzen bei der letzten Präsentation am Montag in Lausanne auch auf prominente Unterstützung, bevor das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Ausrichter auswählt.

Stockholm schwächelt

Insider erwarten ein äußerst knappes Rennen, einen klaren Favoriten gibt es nicht. Der Etat für die Organisation wird sowohl von Mailand als auch von Stockholm mit gut 1,3 Milliarden Euro angegeben. Gedeckt werden die Ausgaben in beiden Fällen zu zwei Dritteln durch Zahlungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sowie durch Sponsorengelder.

Und dennoch offenbarte Stockholm kurz vor dem Ziel leichte Schwächen beim Finanzkonzept. Wie am Rande der Exekutiv-Sitzung in Lausanne durchgesickert war, hat das IOC am 14. Juni einen Brief an das Stockholmer Bewerbungskomitee geschickt, in dem es heißt, dass man "eine Reihe von unverbindlichen Absichtserklärungen und Garantien erhalten" habe, die "keine verbindlichen Zusagen darstellen" und den Aufbau olympischer Einrichtungen "gefährden" würden.

Offenbar mangelt es auch an Garantien der öffentlichen Hand für den Fall, dass private Firmen nicht mehr zahlungsfähig sind. Doch der Einsatz von Steuergeldern für die Olympischen Spiele ist in Schweden ein wunder Punkt. Politiker hatten in der Vergangenheit davor gewarnt, öffentliche Gelder einzusetzen, die Bevölkerung ist kritisch. Erst, als Stockholm erklärte, ein rein privat finanziertes Budget aufzustellen, beruhigten sich die Gemüter.

IOC-Präsident Thomas Bach wollte den Fall nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren und verwies auf die Evaluierungskommission des IOC, die die Gespräche mit Stockholm führt. "Deren Ergebnis hören wir am Montag", meinte Bach in Lausanne. "Wir haben einen permanenten, positiven und konstruktiven Dialog mit dem IOC – mit Mails und Briefen", teilte ein Sprecher von Stockholms Bewerbung mit.

Weite Wege

Beide Bewerber sind nach Einschätzung des IOC den Vorgaben der Olympischen Agenda gefolgt. Sowohl Mailand als auch Stockholm wollen zu über 80 Prozent bereits vorhandene oder temporäre Arenen nutzen, so dass Kosten gesenkt werden konnten. Bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking werden nur zu etwa 60 Prozent existierende oder temporäre Anlagen genutzt.

Die neuen Konzepte der Bewerber führen aber auch dazu, dass von Olympischen Spielen mit kurzen Wegen nicht mehr die Rede sein kann. Stockholm hat mit Are, Falun und Sigulda (Lettland), das auf der anderen Seite der Ostsee liegt, gleich vier Austragungsorte eingebunden. Mailand setzt ebenfalls auf mehrere Standorte. Dazu gehört auch das über 400 Kilometer entfernte Cortina d'Ampezzo, das bereits 1956 Gastgeber der Olympischen Winterspiele war.

Referendum-Regel

Auf seiner Session von Montag bis Mittwoch in Lausanne wird das IOC neben der Suspendierung des Boxverbandes AIBA auch Änderungen des Bewerbungsverfahren beschließen. IOC-Mitglied John Coates, Leiter der Arbeitsgruppe, teilte mit, dass in Zukunft Städte schon vor ihrer Bewerbung eine Bürgerbefragung durchführen müssen, falls diese gefordert werde. Negative Referenden hatten zuletzt insbesondere Bewerbungen für die Winterspiele 2026 platzen lassen.

Bevor jedoch ab Montag die Entscheidungen fallen, will das IOC noch sein 125. Bestehen ausführlich feiern. Passend dazu wird am Sonntag das rund 130 Millionen Euro teure neue Hauptquartier am Ufer des Genfer Sees mit 700 Gästen eingeweiht. (sid, 22.6.2019)