Ein verletzter Demonstrant bei den Protesten gegen eine russische Delegation am Freitag in Tiflis.

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Tiflis – Nach den Massenprotesten mit vielen Verletzten in Georgien sollen nun auch georgische Fluggesellschaften nicht mehr nach Russland fliegen dürfen. Das gilt vom 8. Juli an, wie das Verkehrsministerium am Samstag in Moskau der Agentur Interfax zufolge mitteilte. Es sei notwendig, "ein ausreichendes Maß an Flugsicherheit zu gewährleisten".

Am Vortag hatte Präsident Wladimir Putin entschieden, dass für eine unbestimmte Zeit keine russischen Passagierflieger mehr in die frühere Sowjetrepublik fliegen dürfen. Georgien ist beliebt bei russischen Touristen. Ein Aussetzen der Flüge würde vor allem die Wirtschaft in dem westlich orientierten Land treffen. Im Mai reisten georgischen Statistiken zufolge 113.138 Touristen aus Russland ein, 26 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Sechs russische Fluggesellschaften fliegen nach Georgien. Direkte Flugverbindungen gibt es erst seit 2014 wieder.

Warnung vor Gewalt

Gerorgiens Präsidentin Salome Surabischwili hat vor weiterer Gewalt gewarnt. Sie sei bereit, mit allen politischen Kräften zusammenzuarbeiten, um ein öffentliches Einvernehmen zu erzielen, erklärte sie in einer vom Präsidialamt am Samstag verbreiteten Mitteilung. Die "politische Polarisierung" im Land müsse verringert werden.

Es sei leicht zu erraten, wer ein Interesse an Spannungen und einer Destabilisierung Georgiens habe, sagte sie, ohne Russland anders als in früheren Äußerungen direkt zu erwähnen.

Bei den Protesten in der Nacht auf Freitag wurden mehr als 200 Menschen verletzt. 52 von ihnen lagen auch am Samstag noch in Krankenhäusern, wie georgische Medien berichteten. Mehr als 300 Demonstranten wurden festgenommen. Tausende Menschen hatten versucht, das Parlament zu stürmen. Sicherheitskräfte hinderten sie daran. Eine weitere große Demonstration am Freitagabend blieb weitgehend friedlich. Am Samstagabend sollte wieder demonstriert werden.

Russische Delegation

Auslöser war der Besuch einer russischen Delegation bei einer Tagung von Vertretern aus christlich-orthodoxen Ländern. Bei dem Treffen hielt der Duma-Abgeordnete Sergej Gawrilow von der Kommunistischen Partei eine Rede vom Platz des Parlamentspräsidenten aus. Es gab bei vielen Menschen die Sorge, dass Moskau mehr Einfluss in Georgien nehmen könnte. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind höchst angespannt. Es gibt keine diplomatischen Beziehungen mehr. 2008 führten Russland und Georgien einen kurzen Krieg gegeneinander.

Russland will als Reaktion auf die Ausschreitungen ab dem 8. Juli für eine bestimmte Zeit keine Passagiermaschinen mehr von Russland in die Südkaukasus-Republik fliegen lassen. Reiseveranstaltern werde empfohlen, keine Flüge und Touren mehr in die frühere Sowjetrepublik anzubieten, hieß es in einem am Freitag von Präsident Wladimir Putin unterzeichneten Dekret. Die Südkaukasus-Republik ist beliebt bei russischen Touristen. Ein Aussetzen der Flüge würde vor allem die Wirtschaft der Ex-Sowjetrepublik treffen. (APA, 22.6.2019)