Eine Aufnahme des Schiffes im Jänner 2019.

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Rom – Ein junger Migrant an Bord des Rettungsschiffes "Sea-Watch 3", das seit 10 Tagen auf einen Landehafen wartet, ist als medizinischer Notfall von der italienischen Küstenwache evakuiert worden. Damit sinkt die Zahl der Migranten an Bord auf 42. "Wir appellieren erneut an die Politik: Diese Farce muss beendet werden, dieses Leiden muss beendet werden", so die deutsche NGO "Sea-Watch" auf Twitter.

Die italienische Sprecherin der Organisation, Giorgia Linardi, bemängelte, dass die Lage an Bord immer schwieriger sei. Schiffskapitänin Carola Rackete stehe vor dem Dilemma, ihr Recht auszuüben und die Migranten angesichts der Notstandslage an Bord in einen italienischen Hafen zu bringen, oder Italiens Politik der "geschlossenen Häfen" zu respektieren. Im ersten Fall würden die Konfiszierung des Schiffes und eine Strafe von 50.000 Euro für die Kapitänin und der NGO drohen. Linardi beklagte die "Kriminalisierung" der NGO. Die deutsche NGO Sea-Watch kritisierte zuvor, dass die Migranten als "politische Geiseln" gehalten werden.

Italien sieht Niederlande in der Pflicht

Italien macht indes weiterhin Druck auf die Niederlande, die Migranten aufzunehmen. Die "Sea-Watch 3" ist mit niederländischer Flagge im Mittelmeer unterwegs. Es sei daher Pflicht der Niederlande, die Migranten aufzunehmen, argumentierte der italienische Innenminister Matteo Salvini. Dieser setzt sich seit über einem Jahr für eine Politik der "geschlossenen Häfen" für private Rettungsschiffe ein. (APA, 23.6.2019)