E-Commerce hätte eigentlich Vorteile für das Klima, immer schnellere Lieferintervalle machen ihn allerdings zunichte.

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Schnelle Zustellung von Paketen macht Kunden glücklich. Services wie Amazons Prime Now werden in immer mehr Regionen verfügbar. In Teilen von Berlin und München werden bestimmte Produkte sogar schon am gleichen Tag zugestellt.

Weniger glücklich ist diese Entwicklung allerdings für die Klimabilanz, zeigt eine Untersuchung von Axios. In den USA kamen UPS und Fedex im Jahr 2017 laut ihren eigenen Nachhaltigkeitsberichten gemeinsam auf Emissionen von rund 29 Millionen Tonnen. Gemeinsam mit dem Ausstoß des US Postal Service erreicht man damit das Äquivalent von etwa sieben Millionen Pkw und einen Anteil von 0,5 Prozent an der US-Gesamtbilanz.

Trend schadet besserer Klimabilanz

E-Commerce ist theoretisch eigentlich förderlich für das Klima sein könnte, sagt Don Mackenzie von der University of Washington. Statt dass einzelne Konsumenten individuell zu verschiedenen Händlern fahren, decken nun Transportwagen viele Bedürfnisse ganzer Nachbarschaften ab.

Das Problem liegt darin, dass die Lieferungen beschleunigt werden, egal wie gut der digitale Einkaufskorb gefüllt ist. Verschiedene Abos bieten die günstige oder kostenlose Expresslieferung in ihrem Umfang an, oft auch ohne Mindestbestellwert, wodurch für Käufer jegliche Motivation weg fällt, statt stetiger Einzellieferungen die benötigten Produkte in weniger Bestellungen zu bündeln.

Mehr Lieferungen mit weniger Paketen

Ein Trend, der den Vorteilen des Onlinehandels in klimatechnischer Hinsicht entgegenwirkt. Er führt dazu, dass es mehr Lieferfahrten mit jeweils weniger Paketen gibt, wodurch die Effizienz sinkt und der CO2-Ausstoß steigt. Gleichzeitig müssen Logistikdienste zusätzliche Fahrzeuge und Flugzeuge anschaffen und Verteilzentren und Lagerhäuser aufbauen, die jeweils auch Strom, Beleuchtung und Klimatisierung benötigen.

Ein Kreislauf, der sich fortsetzt, weil der Erfolg von bestehenden Expresslieferungen die Konkurrenz zwingt, nachzuziehen. So bietet etwa die Supermarktkette Walmart in den USA mittlerweile an, Bestellungen ab 35 Dollar bereits am nächsten Tag zuzustellen.

Chancen

Allerdings gibt es auch zwei Hebel, an denen man ansetzen könnte, um die negativen Effekte zu reduzieren. Langfristig könnten etwa Flugdrohnen kleine Lieferungen effizienter zustellen, als Autos. Zudem könnte auch die Umstellung auf elektrische Last- und Lieferautos die Bilanz verbessern.

Einige Unternehmen haben sich diesbezüglich bereits Ziele vorgegeben. Amazon spricht von Fortschritten hinsichtlich umweltfreundlicherer Flugzeuge und hat nach eigenen Angaben mittlerweile 244.000 Tonnen an überflüssigem Verpackungsmaterial eingespart. Man strebt an, bis 2030 zumindest die Hälfte aller Lieferungen emissionsneutral zuzustellen. Walmart will seinen CO2-Ausstoß bis 2025 um 18 Prozent (im Vergleich zu 2015) senken. (gpi, 12.7.2019)