Ashleigh Barty ist erst die zweite Australierin an der Spitze der Weltrangliste.

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Am Montag hebt in Wimbledon das prestigereichste Tennisturnier des Jahres an. Bei den Lawn Tennis Championships sind entsprechend der Weltrangliste Novak Djokovic, ein alter Bekannter, und Ashleigh Barty, eine vergleichsweise junge Unbekannte, topgesetzt. Djokovic ist einer von nur drei Spielern, die in den vergangenen beiden Jahren den Tennisthron schmückten. Der Serbe brachte es bisher auf insgesamt 255 Wochen an der Spitze.

Die 23-jährige Australierin "Ash" Barty ist die sechste Spielerin, die im Vergleichszeitraum den Sprung an die Spitze schaffte, die vierte als Debütantin. Das Quintett vor ihr blickt auf eine Regentschaft von 167 Wochen zurück. Noch nie, sagen Kundige, war es so einfach, die führende Tennisspielerin zu werden.

Barty schaffte es binnen drei Jahren. Die 1,66 Meter hohe Rechtshänderin aus Ipswich nahe Brisbane in Queensland schien Ende Mai 2016 gar nicht in der Rangliste auf – nicht mehr. Denn nach überaus erfolgreichen Jahren als Juniorin – 2011 gewann sie den Nachwuchsbewerb in Wimbledon – machte sich Barty vor allem im Doppel einen Namen. 2013 stand die Teenagerin mit Landsfrau Casey Dellacqua in Wimbledon sowie bei den Australian und den US Open im Finale. 2014 hatte Barty, die schon als Vierjährige stundenlang daheim Tennisbälle gegen das Garagentor drosch und von Vater Robert zwangsläufig in einen Klub geschickt worden war, die Nase voll vom Leben auf der Tour. Einmal sei sie in einem Jahr nur 27 Tage zu Hause gewesen. Da spielte sie lieber Cricket, sogar halbprofessionell für Brisbane Heat in der Women's Big Bash League.

Im Frühjahr 2016 griff die Barista und passionierte Golferin aber wieder zum Racket und schickte sich im Jahr darauf an, die unter dem Interregnum nach der Babypause von Serena Williams leidende Tour der Women's Tennis Association aufzumischen. Dem Trimph bei den French Open folgte vergangenen Sonntag mit dem Sieg in Birmingham, ihrem erst sechsten WTA-Einzeltitel, der Sprung an die Spitze.

Die über ihren Vater Angehörige und seit 2018 auch Botschafterin der indigenen Ngarigo ist erst die zweite Australierin nach Evonne Goolagong Cawley (1976) in dieser Position. "Davon träumst du als Kind. Dass es dann Realität wird, ist unfassbar." In Wimbledon ist Barty hohe Favoritin. Dort holte Goolagong Cawley, eine Aborigine aus dem Stamm der Wiradjuri, 1980 übrigens den letzten ihrer 14 Grand-Slam-Titel. (Sigi Lützow, 24.6.2019)