Manner sieht sich aufgrund der Studie bestätigt. Die Wiener Firma habe unabhängig vom Zielmarkt das Rezept und die Qualität der Rohstoffe nie verändert.

Foto: Manner

Brüssel/Wien – Eine EU-Studie hat keine systematische Benachteiligung osteuropäischer Länder bei der Qualität von Lebensmitteln und Getränken gefunden. Der Verdacht, dass vor allem in Osteuropa vermarktete Produkte oft anders oder schlechter sind, erhärtete sich laut der EU-Kommission nicht, auch wenn viele Erzeugnisse trotz gleicher oder ähnlicher Verpackung unterschiedlich sind.

Entsprechende Vorwürfe waren 2017 aufgekommen und betrafen auch österreichische Produkte wie etwa Manner-Schnitten. Auch die Qualität von Butterkeksen, Fischstäbchen, Getränken und Co sahen osteuropäische Staaten bei sich als schlechter an als im Westen.

Ähnliche Verpackung, unterschiedliche Zusammensetzung

Zwar war bei fast einem Drittel der nun untersuchten Lebensmittel aus 19 Ländern die Zusammensetzung trotz identischer oder ähnlicher Verpackung unterschiedlich. Es habe sich bei insgesamt 1.400 Produkten aber "kein einheitliches geografisches Muster" ergeben, das auf eine Benachteiligung Osteuropas hindeute, teilte die EU-Kommission am Montag mit.

Laut der Studie der EU-eigenen Gemeinsamen Forschungsstelle gab es bei neun Prozent der Produkte eine unterschiedliche Zusammensetzung trotz gleicher Packungsvorderseite. Bei weiteren 22 Prozent wurde demnach das veränderte Lebensmittel oder Getränk mit einer ähnlichen Verpackungsvorderseite beworben.

Die EU betont, dass Unterschiede in der Zusammensetzung "nicht zwangsläufig einen Unterschied in der Produktqualität" bedeuten. Hersteller verweisen darauf, dass sie auf nationalen Märkten ihre Produkte auch den dortigen Geschmacksvorlieben anpassen.

Manner sieht sich im Recht

Der österreichische Süßwarenhersteller Manner fühlt sich dadurch bestätigt. Von Anfang an habe es von Manner geheißen, dass die Rezeptur und die Qualität der eingesetzten Rohstoffe für Manner-Schnitten im In- und Ausland unabhängig vom Zielmarkt, Land oder Kunden unverändert und einheitlich sei. Die einheitliche Rezeptur der Manner-Schnitten sei nun bestätigt worden: "Manner Neapolitan Wafers were part of the EU wide survey and your assumption that we have not found differences between the variants sold on different markets, is correct", zitiert Manner den an der Studie beteiligten Wissenschafter Franz Ulberth. Seine Worte bedeuten sinngemäß, dass die Untersuchung bestätigte, dass die Manner-Schnitten in verschiedenen Märkten gleicher Qualität sind.

Manner kritisierte am Montag, dass die Anschuldigen aus den östlichen EU-Staaten dem Ansehen des Unternehmens geschadet hätten. "Wir freuen uns über die Richtigstellung unseres Bildes im Ausland", so Firmensprecherin Karin Steinhart.

Die nationalen Behörden könnten nun auf Grundlage der EU-Untersuchung "die betreffenden Fälle einzeln prüfen, um irreführende Praktiken zu ermitteln", erklärte die EU-Kommission. Konsumentenschutzkommissarin Věra Jourová verwies darauf, dass Konsumentenschutzbehörden über neue Vorschriften inzwischen die Instrumente hätten, gegen möglichen Missstand vorzugehen.

Kritik von Regierungen

Mehrere osteuropäische Regierungen hatten 2016 eine angebliche Praxis von Lebensmittel- und Getränkeherstellern kritisiert, in ihren Ländern minderwertige Produkte trotz gleicher Verpackung wie im Westen anzubieten. Die ungarische Lebensmittelbehörde wollte etwa herausgefunden haben, dass dort verkaufte Nutella "weniger cremig" als in Österreich sei und Coca-Cola "weniger vollmundig und flacher" schmecke als im Nachbarland.

Die slowakischen Lebensmittelprüfer kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Produkte, die in der Slowakei verkauft wurden, hatten demnach oft einen höheren Fett- und einen niedrigeren Fleischgehalt als in westeuropäischen Ländern. Statt Zucker würden Süßungsmittel eingesetzt, statt Fruchtzusätzen künstliche Aromastoffe.

Die Frage der Benachteiligung osteuropäischer Konsumenten hatte im März 2017 sogar einen Gipfel der Staats- und Regierungschefs der EU beschäftigt. Die Kommission verweist darauf, dass inzwischen einheitliche Testmethoden in der EU eingeführt wurden, um unterschiedliche Maßstäbe festzustellen. Sie werden nach einer jüngst erfolgten Reform des EU-Verbraucherrechts nun auch "als irreführende Praxis" gesehen. (APA, 25.6.2019)