Finanziell pfeift das Bundesheer aus dem letzten Loch – und um das einmal mehr zu verdeutlichen, hat Übergangsminister Thomas Starlinger nun angedacht, die militärische Leistungsschau zum Nationalfeiertag auf dem Wiener Heldenplatz abzusagen, die mit rund zwei Millionen Euro zu Buche schlägt. Am 26. Oktober soll dort heuer also nur mehr die Angelobung von Rekruten und die traditionelle Kranzniederlegung stattfinden.

Auftritt der Garde am Nationalfeiertag anlässlich der Angelobung von Rekruten: Heuer soll es ein einfaches "Ich gelobe!" tun, auf militärisches Brimborium wird verzichtet.
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Für Starlinger standen auch schon die Sicherheitsschule in Wiener Neustadt und die Flugshow in Zeltweg, Airpower genannt, zur Disposition. Doch beides scheiterte an politischem Widerstand. Dem Vernehmen nach soll sich vor allem der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) gegen eine Absage der Airpower quergelegt haben.

Denn die Gegend rund um den Heimatflughafen der Eurofighter gilt als äußerst lärmbelastet, die rund 300.000 erwarteten Besucher der Flugshow wertet die Bevölkerung quasi als eine Art Entschädigung dafür – weil das Spektakel der Region mit hohen Übernachtungszahlen samt reger Konsumation jede Menge Geld einbringt.

Beim Bundesheer selbst erklärt man das Durchziehen der Airpower damit, dass die internationalen Verträge mit den Luftwaffen anderer Nationen, die dort ihr aerodynamisches Können vorführen, bereits paktiert seien. Oberst Michael Bauer: "Mit der Absage würde daher die Verlässlichkeit des Bundesheeres als Vertragspartner gefährdet."

Pleite befürchtet

An die fünfzig Fluggeräte bietet das Bundesheer selbst bei der Flugshow auf. Die Kosten der rund 13 Millionen Euro teuren Veranstaltung teilt man sich mit dem Land Steiermark und Red Bull. Der Aufwand für das Militär, also abzüglich aller Einnahmen etwa durch Merchandising-Artikel und Platzmieten für Verkaufsstände, beträgt voraussichtlich rund 4,5 Millionen, rechnet Bauer dem STANDARD vor.

Doch allein heuer fehlen dem Bundesheer schon rund 47 Millionen, um den laufenden Betrieb abzudecken, wie gemäß APA aus einem internen Papier vom 18. Juli hervorgeht, das den Dienststellen Einsparungen nahelegt. Denn allein die Personalkosten für 2019 übersteigen den Bundesvoranschlag um 67 Millionen Euro – zwanzig Millionen davon können vorläufig durch die Aufhebung von Unterstützungsleistungen abgedeckt werden, eine entsprechende Liste dazu soll bis Ende der Woche vorliegen.

Übergangsfinanzminister Eduard Müller hat Verteidigungsminister Starlinger deswegen für Freitag zu einer Aussprache über das Bundesheerbudget eingeladen. FPÖ-Chef Norbert Hofer wiederum macht sich für Sondermittel stark, damit die Leistungsschau auf dem Heldenplatz doch stattfinden kann, die "Teil der österreichischen Identität" sei.

Am Mittwoch räumte Starlinger jedenfalls mit einem weiteren Relikt auf, das auf seinen blauen Vorvorgänger Mario Kunasek zurückgeht – und zwar mit Bundesheerinseraten in äußerst rechten Postillen wie "Zur Zeit". Auf Kritik von SOS Mitmensch erklärte Ministersprecher Bauer prompt, dass Starlinger in solchen Medien keinerlei Werbung schalten wird. (Nina Weißensteiner, 26.6.2019)