Nach dem entscheidenden Elfmeter gegen Japan brachen bei den Niederländerinnen quasi die Deiche.

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Als Ayaka Yamashita zum zweiten Mal an diesem heißen Abend in Rennes geschlagen war und die Niederländerinnen rund um Doppeltorschützin Lieke Martens so richtig auszuckten, war das 7:1 bei der Weltmeisterschaft der Fußballfrauen, war ein Rekord perfekt. Nur noch die hohen Favoritinnen und Titelverteidigerinnen aus den USA können einen europäischen Triumph verhindern, nachdem die Nadeshiko, die Nelken aus Japan, die 2011 noch den Titel geholt und 2015 das Finale erreicht hatten, im Achtelfinale gescheitert waren.

Lediglich die Spanierinnen waren in den Duellen mit Übersee auf der Strecke geblieben. Die Europameisterinnen aus den Niederlanden waren nahe dran gewesen, ihnen zu folgen. Japan traf schließlich beim Stand von 1:1 die Latte, ehe Martens, Angreiferin des FC Barcelona, per Elfer in letzter Minute den Sack schloss. Die Niederlande spielen am Samstag in Valenciennes gegen Italien, die bisher größte Überraschung des Turniers, um den Einzug in die Runde der letzten vier.

Am Vorabend stellen sich die Gastgeberinnen im Parc des Princes zu Paris den USA in den Weg. Gelingt der Équipe féminine von Cheftrainerin Corinne Diacre die Sensation, ist die Wandlung des Turniers in eine Europameisterschaft perfekt und eine Frage zu beantworten, von der nicht abzusehen gewesen war, dass sie sich überhaupt stellen würde. Nur die drei besten Teams aus Europa schmücken im nächsten Sommer das olympische Frauenfußball-Turnier mit insgesamt zwölf Auswahlen. Vor Anpfiff der WM galt es als sicher, dass der Halbfinaleinzug für das Ticket nach Tokio reichen würde. Europäische Halbfinale verliehen dem Duell um Platz drei enorme Bedeutung.

Angesagter Eklat

Die Wetten stehen allerdings besser, dass die USA unter die letzten vier kommen, das Ringen um Platz drei also für die Olympiaqualifikation bedeutungslos bleibt. Als sicher gilt, dass Präsident Donald Trump im Fall des neuerlichen Titelgewinns nicht ins Weiße Haus lädt. Kapitänin Megan Rapinoe war schließlich eine der ersten weißen Sportlerinnen, die den Footballer Colin Kaepernick in dessen Protest gegen Polizeigewalt und rassistische Diskriminierung unterstützte. Weil den Fußballerinnen vom US-Verband das Knien bei der Hymne verboten ist, stehen sie mit den Armen hinter dem Rücken da, statt die rechte Hand an die Stelle über dem Herz zu legen.

Rapinoe (33), die mit einigen anderen Spielerinnen den Verband wegen Diskriminierung im Hinblick auf die Bezahlung vor der WM verklagt hat, verlieh ihrer Ablehnung Trumps im Fußballmagazin Eight By Eight zuletzt deutlich Ausdruck: "I'm not going to the fucking White House." (red, 26.6.2019)