Im Dodgeball finden auch Weltmeisterschaften statt: Im August 2018 spielte in New York ein Team aus Österreich (im Hintergrund) gegen Malaysia. Im Herrenbewerb wurde Österreich Weltmeister, bei den Damen wurde der Vizeweltmeistertitel geholt. Im Mixed gab es Platz drei.

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Wien – Völkerball ist eines der am meisten verbreiteten Spiele im Turnunterricht an Schulen. Und das nicht nur hierzulande: In den USA und in Kanada ist eine verwandte Spielart unter dem Namen Dodgeball, wo mehrere Bälle zum Einsatz kommen, populär. Das Ziel des Mannschaftsspiels, das seine Ursprünge in einem rituellen Kriegsspiel hat, ist einfach erklärt: gegnerische Spielerinnen und Spieler mit einem Ball auf einem Spielfeld abschießen, bis kein Gegner übrig bleibt.

Kanadische Wissenschafter finden, dass Dodgeball ein Werkzeug der "Unterdrückung" ist. Das Spiel lehre Kinder, ihre Schulkollegen zu "entmenschlichen" und ihnen zu schaden, wie die Forscher von drei kanadischen Universitäten vor kurzem in Vancouver sagten. Eine Studie, die diese Erkenntnisse nachvollziehbar machen soll, werde bald im Fachjournal European Physical Education Review erscheinen.

Joy Butler, eine der Autorinnen der Studie, bezeichnete das Spiel als "gleichbedeutend mit legalisiertem Mobbing", wie sie dem kanadischen Sender CBC sagte. Die Washington Post zitierte Butler, die an der University of British Columbia (UBC) in Vancouver lehrt, folgendermaßen: "Die Botschaft ist, dass es okay ist, andere zu verletzen oder zu entmenschlichen". Stärkere Schüler würden Dodgeball nutzen, um schwächere Mitschüler zu demütigen.

Begriff Mobbing "überzogen"

Rudolf Müllner vom Institut für Sportwissenschaft der Uni Wien liegt die Studie noch nicht vor. Die Aussage, dass Dodgeball – oder Völkerball – mit Mobbing gleichzusetzen ist, bezeichnete er aber im Gespräch mit dem STANDARD als "überzogen". Völkerball sei in Österreich "traditionell unglaublich verankert im Schulbetrieb". Das Spiel habe durchaus "Destruktionspotenzial. Gruppen oder Teile davon, die nicht so gut mit dem Ball umgehen, können diskriminiert werden." Am Sportinstitut würden sich Studierende und Vortragende schon lange kritisch mit der Sportart auseinandersetzen. Es gelte, Völkerball so im Schulunterricht spielen zu lassen, "dass destruktive Formen des Spiels vermieden werden".

Ministerium kündigt Gespräche mit Experten an

Aus dem Bildungsministerium heißt es auf STANDARD-Anfrage, dass man sich die Ergebnisse der Studie genau anschauen und sich damit beschäftigen werde. "Auch Experten werden hinzugezogen", kündigte eine Sprecherin an. Zum Spiel Völkerball selbst sind aus den Schulen aktuell "keine Beschwerden bekannt". Das "kritische Potential des Spiels" werde in der Lehrerausbildung aber behandelt.

In der Sportart Dodgeball finden übrigens auch Weltmeisterschaften statt. Beim World Cup der World Dodgeball Association 2018 in New York waren österreichische Teams höchst erfolgreich: Im Herrenbewerb wurde Österreich Weltmeister, bei den Damen wurde der Vizeweltmeistertitel gefeiert. Im Mixed gab es Platz drei. (David Krutzler, 26.6.2019)