Google sieht sich gerade in Frankreich immer wieder Protesten und Klagen ausgesetzt. Im Bild eine Aktion von Attac vor dem Pariser Büro von Google im Jänner 2019.

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Google steht wieder einmal für seine Datensammelpraxis in der Kritik – und dieses Mal könnte es zumindest potentiell teuer werden. Die französischen Konsumentenschützer von UFC-Que Choisir haben beim Landgericht Paris eine Sammelklage gegen das Unternehmen eingereicht. Der Vorwurf: Google verstoße mit der umfassenden Sammlung von Standortdaten rund um Android gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Dabei fordert man auch Schadenersatz ein und zwar in der Höhe von 1.000 Euro pro betroffenem Nutzer.

Labyrinth

Konkret spricht UFC-Que Choisir im Zusammenhang mit der Standortermittlung von einem wahren Labyrinth. Die diesbezüglichen Einstellungen seien undurchschaubar und weit verstreut. Für die Nutzer sei es praktisch unmöglich alle entsprechenden Datensammlungen zu deaktivieren. Auch seien viele von Haus aus aktiviert.

Zudem verweisen die Konsumentenschützer auf eine vor einigen Monaten öffentlich gewordene Studie, derzufolge ein Android-Smartphone mit Google-Account selbst ohne aktive Nutzung am Tag 340 Mal am Tag seinen Standort meldet. Kritiker hatten damals allerdings Schwächen in der Methodik der Studie bemäkelt. Wurden dabei doch viele unterschiedliche Dinge vermischt – also Einträge in die Location History von Google selbst als auch die Abfragen von Dritt-Apps, die ebenfalls mithilfe von Google-Diensten abgewickelt werden. Google selbst widersprach den Behauptungen damals ebenfalls, und verwies darauf, dass der Bericht von einer Lobbyistengruppe in Auftrag gegeben wurde.

Gespräche

Bei der UFC-Que Choisir betont man, im Vorfeld versucht zu haben, mit Google eine Lösung zu finden. Da das Unternehmen die Datensammlungen nicht eingestellt habe, greife man nun zum Mittel der Sammelklage. Potentiell könnten davon 28 Millionen französische Android-Nutzer profitieren, betonen die Konsumentenschützer. Ob sie mit ihrer Klage recht bekommen, ist aber natürlich noch offen – ebenso wie die Frage, ob eine Entschädigung dann von einem Gericht tatsächlich so hoch angesetzt wird.

Bereits vor einigen Monaten ist Google in Frankreich wegen eines Verstoßes gegen die DSGVO zu einer Geldstrafe von 50 Millionen Euro verurteilt worden. Damals wurde vor allem die mangelnde Transparenz rund um die Datensammlungen von Google kritisiert. (red, 27.6.2019)