Wird von einem Ex-Geschäftspartner schwer belastet: Michael Tojner.

Foto: APA

Wien – Die Causa Immobiliendeals rund um den Unternehmer Michael Tojner wächst sich aus. Am Mittwoch gab es wieder Hausdurchsuchungen, die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) holte jedenfalls Unterlagen von der MRG Metzger Realitäten Beratungs- und Bewertungsgesellschaft ab.

Einem einst dort tätigen Experten werden falsche Liegenschaftsbewertungen vorgeworfen. Die Gesellschaft haftet im Ernstfall quasi mit, wurde aber 2018 verkauft. Der heutige Geschäftsführer und Miteigentümer, Wolfgang Fessl, nimmt die Sache gelassen.

Man habe den Ermittlern die gewünschten Unterlagen übergeben und würde sich, sollte die Causa dereinst finanzielle Folgen haben, beim Verantwortlichen regressieren. DER STANDARD betont, dass die Unschuldsvermutung gilt.

Die Immobilienbewertungsgesellschaft ist eines von neun Unternehmen, gegen die die WKStA auf Basis der Betrugsanzeige des Burgenlands ermittelt. Zudem gibt es 16 beschuldigte Personen, darunter drei Rechtsanwälte. Die Palette der Vorwürfe reicht von schwerem Betrug und Untreue über Beweismittel- und Bilanzfälschung bis zu gewerbsmäßiger Abgabenhinterziehung.

Das Burgenland hat Tojner bzw. seine Wertinvest angezeigt, weil es sich rund um den Verkauf der ehedem gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften Pannonia, Gesfö und Riedenhof betrogen fühlt. Die Abschlagszahlungen, die das Land bei Aberkennung der Gemeinnützigkeit (im sogenannten Entziehungsverfahren) erhielt, seien wegen falscher Immobilienbewertungen zu niedrig ausgefallen. Vorteile daraus hätten Tojner bzw. seine Firmen gehabt. Er nennt den Vorwurf "substanzlos".

Tojners Rolle

Die WKStA hält Tojner laut Anordnung zur Hausdurchsuchung für "die treibende Kraft" hinter all dem, wenngleich er "nach außen nicht in Erscheinung" getreten sei. Die involvierten Anwälte und Gesellschafter seien in seinem Auftrag und auf seine Rechnung tätig geworden, so die WKStA. Sie hatte bereits am Montag Anwaltskanzleien durchsucht.

Einer der beschuldigten Anwälte belastet Tojner schwer. Er sei nur Tojners Treuhänder bei in die Immobiliendeals involvierten Gesellschaften gewesen, sagte er wie berichtet aus. Tojner habe das Gründungskapital für die Gesellschaften zur Verfügung gestellt, eine enge Mitarbeiterin Tojners habe dessen Anweisungen kommuniziert, was in den Firmen zu tun sei. Zudem habe Tojner via atypisch stille Beteiligung an den Gewinnen partizipiert.

Tojner hat Treuhandschaften bisher bestritten. Jetzt sagen seine Anwälte: "Wo es kein Delikt gibt, gibt es auch keine Täter. Egal, ob sie wirtschaftlich betrachtet treuhändisch agiert haben oder nicht."

Alles löschen

Jener Anwalt, der sehr wohl nur Treuhänder gewesen sein will, erhob in seine Einvernahme aber noch weitere Vorwürfe. Am 20. Jänner, als die Anzeige des Burgenlands bekannt wurde, habe Tojner bei einer gemeinsamen Besprechung angeordnet, er solle alle Beweismittel, die auf eine Treuhandschaft hinweisen, löschen oder verschwinden lassen.

Es handle sich dabei "um eine gemeinsame Aktion", auch aufseiten Tojners würden entsprechende Unterlagen gelöscht beziehungsweise seien die schon vernichtet, sei ihm beschieden worden, so der Anwalt in seiner Vernehmung.

Und was sagt die Rechtsanwältin Tojners, Stefanie Liebenwein, dazu? "Derartige Unterstellungen gegenüber unserem Mandanten sind haltlos und entsprechen nicht den Tatsachen." (Renate Graber, 27.6.2019)