Seit Mittwoch befindet sich das Schiff in italienischen Gewässern vor Lampedusa, aber die italienischen Behörden haben das Schiff gestoppt und verhindern ein Anlegen.

Foto: Reuters / GUGLIELMO MANGIAPANE

Rom/Lampedusa – Während noch keine Lösung für die 42 Migranten an Bord des Rettungsschiffs Sea-Watch 3 vor der süditalienischen Insel Lampedusa in Sicht ist, konnten in der Nacht auf Freitag zwei Flüchtlinge an Land gehen. Ein 19-Jähriger mit starken Schmerzen und sein minderjähriger Bruder konnten die Sea-Watch 3 verlassen, kündigte die Crew per Twitter an.

"Wir können nicht warten, bis jeder Einzelne ein Notfall ist, damit die EU ihre Rechte anerkennt", sagte die deutsche Kapitänin Carola Rackete. Sie bemängelte, dass Italien und die EU die Migranten in Stich gelassen hätten. Die Nacht an Bord verbrachten einige Parlamentarier der oppositionellen Demokratischen Partei (PD), die am Donnerstag mit einem Schlauchboot die Sea-Watch 3 erreicht hatten.

Salvini fordert Kofiszierung des Schiffes

Italiens Innenminister Matteo Salvini erklärte laut Medienangaben, er werde nur dann die Genehmigung für die Landung der Migranten erteilen, wenn sie von anderen EU-Ländern aufgenommen werden. Salvini forderte die Festnahme oder die Ausweisung der Crew und die Konfiszierung des Schiffes.

Seit Mittwoch befindet sich das Schiff in italienischen Gewässern vor Lampedusa, aber die italienischen Behörden haben das Schiff gestoppt und verhindern ein Anlegen. Die Situation an Bord ist laut der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch, die das Schiff betreibt, dramatisch. Dennoch will die italienische Regierung keine Landung erlauben.

Drohende Strafe

Sie hatte vor zwei Wochen ein umstrittenes Sicherheitsdekret beschlossen, wonach Kapitäne, Eigentümer und Betreiber von Flüchtlingsschiffen mit bis zu 50.000 Euro Strafe sowie der strafrechtlichen Verfolgung wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung sowie mit Beschlagnahme der Schiffe rechnen müssen, wenn für die Einfahrt in die italienischen Hoheitsgewässer keine Genehmigung vorliegt.

Wegen der drohenden Strafen hat die NGO Sea-Watch in den vergangenen Tagen über Facebook zu Spenden aufgerufen und laut Medienangaben bereits über 220.000 Euro für mögliche Anwaltskosten gesammelt. Die italienische Sprecherin der NGO, Giorgia Linardi, bedankte sich am Donnerstag für die eingegangenen Spenden. "Das verdanken wir Salvinis Verhalten", kommentierte Linardi. (APA, 28.6.2019)