Christian S. war sowohl nach der Geburt seines Sohnes (aktuell sechs Jahre alt) als auch seiner Tochter (zwei Jahre alt) in Karenz. Das habe zu Differenzen mit seinem Arbeitgeber geführt. Dennoch sagt er: "Ich würde es auf jeden Fall wieder so machen".

Foto: Christian Fischer

"Ich würde Ihnen gern unsere Geschichte erzählen", meldet sich Christian S. auf einen Aufruf des STANDARD. Er schickt voraus: "Was glücklich begann, endete ziemlich desaströs" – deshalb will S. auch nicht seinen vollen Name in der Zeitung lesen.

Aber der Reihe nach. Dass er möglichst viel für seine Familie da sein will, war für S. immer schon klar. "Ich wollte das anders machen als mein Vater, der beruflich immer viel unterwegs war", sagt der ausgebildete Feuerwehrmann. Dazu kam, dass seine Lebensgefährtin nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes nicht mehr als ein Jahr von ihrem Job in einer Werbeagentur fernbleiben wollte. Also beschloss das Paar, sich die Karenz aufzuteilen. Sein Vorgesetzter habe das jedoch nicht gutgeheißen. "Mein Chef hat mir mit beruflichen Konsequenzen gedroht." Als er nach einem halben Jahr zu seinem Arbeitsplatz zurückkehrte, habe er einen schlechteren Job machen müssen, meint S. Es kam zu Streitigkeiten – die schließlich mit einer Beendigung des Dienstverhältnisses endeten. "Das war zwei Tage vor Geburt meiner Tochter, bei der ich auch Karenz gehen wollte." Für S. kein Zufall.

Das erste Wort war "Papa"

Seit rund zwei Jahren ist der 41-Jährige nun arbeitslos und kümmert sich voll und ganz um die Kinder, die mittlerweile zwei und sechs Jahre alt sind. Eine Umstellung? "Keine große. Wir haben uns die Hausarbeit immer schon aufgeteilt. Wäschewaschen oder Fensterputzen war für mich daher nichts Neues." Das liege auch an der Erziehung seiner Mutter, die immer darauf Wert gelegt habe, dass ihr Sohn zu Hause mithilft. Und schon während er noch arbeitete, habe er seine Frau mit den Kindern unterstützt.

Ein typischer Tagesablauf sieht bei S. so aus: Am Vormittag bringt er seinen Sohn in den Kindergarten und kümmert sich um die Tochter. "Wir fahren einkaufen, ich koche Mittagessen und spiele mit ihr." Derweil arbeitet seine Lebensgefährtin, die sich aktuell als Fotografin selbstständig macht. "Wie das in Zukunft ablaufen wird, wenn ich hoffentlich wieder arbeite, werden wir sehen", sagt S. "Zumindest geht die Kleine ab Dezember in den Kinderkarten und der Bub ab September in die Schule."

Was ihn bei der Kinderbetreuung motiviert: "Man sieht den Erfolg. Die Tochter kann mit zwei schon alle Farben nennen und bis zehn zählen. Und der Sohn erinnert sich noch genau an die Tiere im Zoo." Nicht ganz ohne Stolz erwähnt S., dass bei beiden Kindern das erste Wort "Papa" war. "Weil ich zu Hause war, als sie zu sprechen anfingen."

Ab Herbst Student

Weil es schwer sei, als Feuerwehrmann wieder eine angemessen bezahlte Arbeit zu finden, hat S. die Matura nachgemacht und wird ab Herbst studieren: Sicherheitsmanagement an der Fachhochschule, berufsbegleitend. "Aktuell bin ich auf der Suche nach einem passenden Job dazu", sagt S., der schon einige Vorstellungsgespräche hatte, die jedoch bisher erfolglos waren. S. sieht das entspannt. "Zur Not muss ich halt beim Billa an der Kassa stehen."

Dennoch: "Jedem, der mich fragt: Würdest du die Karenz empfehlen, sage ich: Ich würde es auf jeden Fall wieder so machen. Auch wenn es mich schließlich den Job gekostet hat. Aber das ist einfach eine Zeit voller schöner Momente." (Lisa Breit, 2.7.2019)