Innerhalb der US-Regierung werden laut dem Bericht "signifikante Anstrengungen" unternommen, um dem "Going Dark"-Problem beizukommen.

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Sichere Verschlüsselung für E-Mails und Messenger ist manchen Sicherheitsbehörden schon länger ein Dorn im Auge. Selbst extrem populäre Apps wie Whatsapp, der Facebook Messenger und Telegram setzen mittlerweile auf sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die die Nachrichten der Nutzer vor neugierigen Blicken Fremder abschirmt. Immer wieder gab es Vorstöße aus der Politik, die darauf abzielten, Hersteller zu Hintertüren zu verpflichten, die im Endeffekt die Sicherheit der Nutzer aufs Spiel setzen würden.

Entsprechende Legislatur gibt es bereits in manchen Ländern, darunter Russland. Allerdings auch im Westen: Zuletzt hat ein entsprechender Gesetzesbeschluss in Australien für Aufsehen gesorgt. Nun könnte es bald auch einen Vorstoß der US-Regierung geben, schreibt "Politico".

Ein Erklärvideo zu Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
alexanderlehmann

Treffen des Nationalen Sicherheitsrats

Aus drei Quellen wurde dem Medium von einem Treffen des Nationalen Sicherheitsrats am vergangenen Mittwoch berichtet. In diesem habe man debattiert, ob man ein gesetzliches Verbot für Verschlüsselung, die von Sicherheitsbehörden nicht geknackt werden kann, anstreben wolle. Eine von Geheimdiensten öfters geäußerte Forderung, die stets auf erbitterten Widerstand im Silicon Valley gestoßen ist.

Bekannt wurde etwa der Fall, in dem sich Apple weigerte, das iPhone eines San Bernardino-Attentäters für das FBI zu entschlüsseln. Die Behörde wendete sich anschließend an einen anderen Partner, der eine Sicherheitslücke nutzte, um an die Inhalte auf dem Handy zu gelangen. Berichten zufolge soll es sich dabei entweder um das Unternehmen Cellebrite oder unbenannte "professionelle Hacker" gehandelt haben.

Die Vertreter verschiedener Ministerien in dieser Beratung sprachen laut dem Bericht über zwei Herangehensweisen. Entweder werde man ein allgemeines Statement zur eigenen Haltung zum Thema Verschlüsselung verfassen und ankündigen, weiter an einer Lösung zu arbeiten oder den Kongress ersuchen, ein gesetzliches Verbot für Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu erarbeiten.

FBI und Justiz dafür, Außen- und Wirtschaftsministerium dagegen

Letztlich sei es diesmal aber zu keiner Entscheidung gekommen, da intern die Meinungen auseinander gehen. Das Justizministerium und das FBI wären bereit, die mit einem Verschlüsselungsverbot einhergehenden Sicherheitsrisiken einzugehen, da man den Kampf gegen Verbrechen und Terror als wichtiger erachte.

Das Wirtschaftsministerium und Außenministerium sprachen sich dagegen aus und verwiesen auf mögliche wirtschaftliche, sicherheitstechnische und diplomatische Konsequenzen eines solchen Schrittes. Auch Datenschützer und Bürgerrechtler haben in den letzten Jahren wiederholt vor Hintertüren in Kommunikationssoftware gewarnt, da diese früher oder später auch von Cyberkriminellen gefunden und genutzt würden.

Im Department of Homeland Security (DHS) gibt es keine einheitliche Position. Bei der Agentur für Cybersicherheit und Infrastruktur beharrt man auf der Wichtigkeit starker Verschlüsselung. Die Grenzschutzbehörde ICE und das Secret Service wiederum klagen, bei ihren Ermittlungen regelmäßig auf Verschlüsselungshürden zu stoßen.

"Signifikante Anstrengungen"

Laut einem mit der Angelegenheit vertrauten Lobbyisten gibt es regierungsweit "signifikante Anstrengungen", um eine Lösung für das als "Going Dark" bezeichnete Problem zu erreichen. Seitens des Nationalen Sicherheitsrates wollte man keine Stellung zum Politico-Bericht beziehen. (red, 28.6.2019)