Im Altarm von Greifenstein ist ein Steinzeiteinbaum unterwegs.

Foto: Eike Mahrdt

Wer dieser Tage Abkühlung im Greifensteiner Donaualtarm sucht, kann dabei eventuell eine Begegnung mit einem Boot aus der Steinzeit erleben. Doch keine Sorge: Dies liegt nicht an der Hitze und auch nicht am guten Wein der Region.

Einst waren sie wohl ein allgegenwärtiger Anblick auf den Gewässern Europas: Der Monoxylon – also der Einbaum – war für Jahrtausende ein gängiges Transport- und Verkehrsmittel zu Wasser. Hunderte Funde vom Mesolithikum bis ins Spätmittelalter belegen dies. Das älteste bekannte Exemplar ist der Einbaum von Pesse in den Niederlanden, der 1955 im Torf gefunden wurde und auf mehr als 8000, möglicherweise sogar 10.000 Jahre datiert wird.

Nachdem sich am Ende der letzten Eiszeit die Gletscher zurückgezogen hatten, breiteten sich undurchdringliche Urwälder in Europa aus. Diese lieferten mit den mächtigen Stämmen der Bäume gleichzeitig den Rohstoff, um die Flüsse mit einfachen Mitteln als Verkehrswege nutzen zu können.

Nach und nach verschwanden in den vergangenen Jahrhunderten die, wie ihr Name schon sagt, aus einzelnen Baumstämmen geschnitzten Boote von den heimischen Gewässern. Dank Eike Mahrdt ist nun an der Donau wieder ein Einbaum unterwegs.

Mahrdt war als Holztechnologe vier Jahre an der Universität für Bodenkultur in Wien. Ausgehend von seinem Fachgebiet nutzt er seine Expertise für die Beschäftigung mit historischer Holzverarbeitung und experimenteller Archäologie. Sein neuestes Projekt ist ein fünf Meter langer Einbaum. Diesen fertigte er in rund 120 über die vergangenen eineinhalb Jahre verteilten Arbeitsstunden aus dem Stamm einer Linde. Das weiche Holz dieses Baums war schon in der Mittelsteinzeit die erste Wahl der Bootsbauer.

Begrenzte Lebensdauer

Zum Aushöhlen nutzte Mahrdt jedoch nicht Feuersteinbeile, sondern Werkzeuge nach späterem Vorbild: Dechsel, Beil und Hammer waren in ähnlicher Form bereits in der Eisenzeit im Einsatz. Schlechtwetterbedingt musste die Jungfernfahrt verschoben werden, doch Ende Mai konnte der Einbaum endlich in See stechen.

Um die Haltbarkeit des Einbaums zu erhöhen, muss man ihn ständig feucht halten. Auf dem Trockenen bildeten sich rasch Risse im Bereich von Bug und Heck, wo das Holz immerhin fünf Zentimeter dick ist. Die Seitenwände weisen eine Stärke von nur 2,5 Zentimetern auf, während es am Boden deren acht bis zehn sind. Dies senkt den Schwerpunkt und erhöht die Stabilität. Trotzdem stattete Mahrdt das weniger als einen halben Meter breite Gefährt mit einem Ausleger aus, um damit nicht zu kentern. Risse lassen sich mit Birkenpech und Harzen abdichten, doch auch Pilze setzen dem Holz zu. Mahrdt schätzt die Lebensdauer seines Einbaums auf wohl nur drei bis vier Jahre.

Die Einbäume sind erstaunlich seetüchtig: In den Neunzigerjahren testeten tschechische Archäologen die Eignung nachgebauter Steinzeiteinbäume für den marinen Einsatz: Die Boote namens Monoxylon I und II legten in der Ägäis und entlang von Küsten im westlichen Mittelmeer hunderte Kilometer zurück. Vergleichbare Boote waren überall auf der Welt im Einsatz: Mit größer dimensionierten Modellen konnten die Polynesier gar abgelegene Inseln im Pazifik besiedeln.

Nachfolger in Planung

Im kommenden Herbst wagt sich Mahrdt an ein größeres Projekt: Gemeinsam mit zwei oder drei Kollegen soll aus dem Holz einer Pappel ein acht Meter langer und achtzig Zentimeter breiter Einbaum gebaut werden. Dank der größeren Dimensionierung wird das Boot weitaus stabiler auf dem Wasser liegen als sein Vorgänger. Über den Winter wird der Stamm mit Steinen beschwert versenkt – so kann sich das Holz vollsaugen, um Rissen vorzubeugen. Im Frühjahr sollen dann bei Ausfahrten bis zu vier Personen in dem Einbaum Platz finden.

Sein Wissen über frühgeschichtliche Handwerkstechnik gibt der Experimentalforscher auch in Kursen weiter. So kann man bei ihm erlernen, wie man Feuer macht, oder auch, wie man sich einen Langbogen baut. (Michael Vosatka, 29.6.2019)