Kim Jong Un und Donald Trump bei ihrem Treffen am Sonntag bei der entmilitarisierten Zone.

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Sonntagfrüh an der entmilitarisierte Zone: Trump und Südkoreas Präsident Moon Jae-in.

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Seoul – US-Präsident Donald Trump hat sich am Sonntag an der innerkoreanischen Grenzlinie mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un an der innerkoreanischen Grenzlinie getroffen. Direkt an der Demarkationslinie schüttelten sich beide die Hände. Als erster amtierender US-Präsident betrat Trump dann den Boden von Nordkorea.

Nachdem die beiden sich die Hand gaben, trat Trump über die Grenze und ging ein paar Schritte auf nordkoreanischem Boden. Anschließend überschritten beide zusammen die Grenze nach Südkorea und wechselten ein paar Worte. "Es ist eine Ehre hier zu sein", sagte Trump. Trump zeige seine Bereitschaft, an einer neuen Zukunft zu arbeiten, sagte Kim.

"Sehr couragierter Akt"

Kim beschrieb sein persönliches Verhältnis zu Trump als "exzellent". An der Grenzlinie hatte er zu Trump gesagt, er freue sich, ihn wiederzusehen. Er habe nicht erwartet, ihn jemals an diesem Platz zu treffen. Der Handschlag habe "eine große Bedeutung für den Frieden", sagte Kim. "Wir werden die Vergangenheit hinter uns lassen und in die Zukunft schreiten", betonte er. Trumps Vorstoß für das Treffen bezeichnete er als "sehr couragierten Akt".

US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un haben sich bei ihrem Treffen darauf verständigt, die Gespräche beider Länder wieder aufzunehmen. Das sagte Trump im Anschluss an das rund einstündige Treffen. Laut der Nachrichtenagentur AFP lud Trump Kim ins Weiße Haus ein. Der nordkoreanische Machthaber könne ihn besuchen, "wann immer er will", sagte der US-Präsident demnach. "Eines Tages" werde es zu einem Besuch Kims in den USA kommen.

In den nächsten Wochen sollen Arbeitsgruppen auf beiden Seiten für die Wiederaufnahme der Gespräche gebildet werden. Die US-Gruppe werde von Außenminister Mike Pompeo zusammengesetzt.

"Lasst uns treffen"

Das Spontantreffen hatte Südkoreas Präsident Moon Jae-in am Sonntag nur etwa eine Stunde davor bekannt gegeben. "Wir gehen zur entmilitarisierten Zone und wir werden uns mit dem Vorsitzenden Kim treffen", hielt da der US-Präsident in einer gemeinsamen Stellungnahme fest.

Vor dem Ausflug an die demilitarisierte Zone (DMZ) beriet sich Trump zunächst mit Moon über das weitere Vorgehen im Streit über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm. Trump hatte das Treffen in einer angeblich spontanen Einladung erst am Vortag via Twitter ausgesprochen. In der Folge gab es eine hektische Last-Minute-Diplomatie, die offenbar zur Akzeptierung der Einladung seitens Nordkorea geführt hat. Trump betonte mehrmals sein gutes persönliches Verhältnis zu Kim, dem er bereits zweimal bei Gipfeltreffen in Singapur und Hanoi begegnet war. "Gestern habe ich mir so gedacht: Hey, wir sind hier, lasst uns treffen", sagte Trump. Dann habe er seine Twitter-Nachricht herausgegeben. "Nur Händeschütteln und Hallo sagen", sagt Trump.

"Bedeutender Meilenstein"

Moon, der später Trump an die DMZ begleitete, begrüßte die Pläne für ein kurzes Treffen mit Kim als Ereignis von hoher Symbolkraft. Ein Treffen zwischen Trump und Kim wäre ein "bedeutender Meilenstein", sagte Moon zum Auftakt seiner Gespräche mit Trump. Er könne fühlen, "dass die Blume des Friedens auf der koreanischen Halbinsel" blühe.

Die entmilitarisierte Zone (DMZ) trennt Süd- und Nordkorea seit ihrem Bruderkrieg (1950-53) auf vier Kilometern Breite und etwa 250 Kilometern Länge. Trump landete dort nach Angaben des Weißen Hauses um kurz nach 14.30 Uhr Ortszeit (7.30 Uhr MESZ) an Bord seines Regierungs-Hubschraubers Marine One. Trump ließ sich zunächst an der Seite von Südkoreas Präsident Moon von einem Militärangehörigen die Grenze erklären. "Es ist ein anderer Ort geworden", sagte Trump. Viel sei bereits erreicht worden. Der US-Präsident verwies darauf, dass in unmittelbarer Nähe der Grenze, die nur rund 50 Kilometer von der Metropole Seoul entfernt liegt, 35 Millionen Menschen von nordkoreanischen Waffen bedroht seien.

"Komplette Denuklearisierung"

Trump und Moon wollten Angaben des Weißen Hauses zufolge ihre Anstrengungen fortsetzen, eine vollkommen überprüfbare atomare Abrüstung Nordkoreas zu erreichen. Außerdem sollen die Beziehungen zwischen den USA und Südkorea gestärkt werden. Seit dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim Jong-un im Februar in Vietnam gibt es keine Fortschritte im Atomstreit mit Nordkorea. Beide Seiten konnten in der zentralen Frage der atomaren Abrüstung Pjöngjangs und Gegenleistungen der USA keine Einigung erzielen.

Von ihrem ersten Gipfel in Singapur im Jahr 2018 waren hoffnungsvolle Signale ausgegangen. Kim hatte seine Bereitschaft zu einer "kompletten Denuklearisierung" bekräftigt. Doch gibt es bisher keine konkreten Zusagen, bis wann die kommunistische Führung in Pjöngjang ihr Atomwaffenarsenal abrüsten will. (APA/dpa, 30.6.2018)