Donald Trump reicht Kim Jong-Un die Hand. Zugeständnisse aus Nordkorea erhielt der US-Präsident für sein Entgegenkommen bisher kaum.

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Es ist Weltpolitik, wie nur Donald Trump sie pflegt. Eine Einladung via Twitter, am nächsten Tag Treffen mit Nordkoreas Staatschef. Dann Handshake an der Grenze, Spaziergang in Nordkorea. Dazu böse Worte zur freien Presse, über die Trump im Gespräch mit Diktatoren immer besonders gerne herzieht. Hinterher eine schnelle Einladung an den Erzfeind ins Weiße Haus.

Bleibt da Zeit, um mit Beratern zu sprechen? Nein. Kann Trump alle Details dessen kennen, über die er verhandelt? Vermutlich nicht. Wurde Trumps Gastgeber Südkorea über das Treffen informiert? Allem Anschein nach erst sehr spät. Und doch ist anzuerkennen: Ohne Effekt ist diese Politik nicht. Die Spannungen auf der Koreanischen Halbinsel sind seit Anfang 2018 massiv gesunken, an einen unmittelbar bevorstehenden Krieg denkt derzeit kaum jemand.

Gemeinsamkeit nur auf den ersten Blick

Alles gut also? Nicht ganz. Das Treffen zeigt zuallererst, wie Trump nicht nur die Weltpolitik sieht: Ein genialer Führer an der Spitze seiner Nation lenkt das Geschehen. Berater sind sekundär, es zählt das Bauchgefühl. Entscheidungen können dann auch schnell, unvermittelt und gegen alle bisherige Strategie fallen. Dieses Bild eint ihn seinem Eindruck nach mit Kim Jong-un. Und das ist wohl auch ein Grund, wieso sich die beiden so gut verstehen.

Dazu passen auch Trumps Worte von vergangener Woche: Die Leute würden bei Nordkorea stets über "kompliziertes Zeug" reden, aber in Wahrheit sei alles gar nicht so schwierig. Es gehe nur um Beziehungen. Allein: Dieser Eindruck Trumps ist falsch. Denn was in seiner Regierung hemdsärmelige Realität ist, ist bei Kim Jong-un Inszenierung. Nordkoreas Spitze ist stets gut vorbereitet, sie arbeitet kollaborativ, sie fördert Expertise, sie kennt die Details ihres Verhandlungsmetiers. Und sie weiß genau, was sie tut.

Keine echten Zugeständnisse

So ist auch zu erklären, was in den vergangenen Monaten passiert ist. Nordkorea macht weiter, was es bisher getan hat: Es forscht an Atombomben und baut weitere, es rüstet auf, auch, während sich im Land eine weitere Hungersnot breit macht. Kims Zugeständnisse bisher waren die Sprengung einer vermutlich defekten Atomtestanlage und der Verzicht auf Atom- und Raketentests, die sein Land ohnehin vor allem als taktisches Druckmittel braucht und nicht zu Forschungszwecken. Donald Trump hat dafür viel taktischen Vorteil der USA geopfert: Die Einigkeit der Weltgemeinschaft bei Sanktionen und der Ächtung des nordkoreanischen Totalitarismus, die militärische Drohkulisse.

Vor allem letzteres ist im Sinne des Weltfriedens natürlich positiv – zumindest solange, bis die nur oberflächlich geglättete Krise wegen der Teufel in ungelösten Details wieder aufflammt. Trump hat aber versprochen, Amerika zu jener Stärke und Anerkennung zu führen, die das Land einst hatte. Dem dient seine lobhudelnde Unterwürfigkeit für einen Diktator, der sein Volk aushungert und die Welt mit Atomwaffen bedroht, nicht. Und es ist eine fatale Botschaft für andere Konflikte, etwa jenen mit dem Iran: Wer Verhandlungen im Weißen Haus will, muss nur genug eskalieren. (Manuel Escher, 30.6.2019)