Das Mauerbauen muss Kindern im Blut liegen. Es gibt wohl kaum einen, der in seiner Kindheit nicht irgendwann eine Mauer gebaut hat, sei es in der Sandkiste der Wohnanlage oder auf dem Sandstrand am Meer. Andere wurden zu wahren Experten im Staumauerbauen. Auch erwachsene Männer bauen gern Mauern, besonders wenn sie Herrscher oder – in neuerer Zeit – Politiker sind: es gab die Chinesische Mauer zum Schutz vor nomadischen Reitervölkern, die biblische (und letztlich eingestürzte) Mauer von Jericho, den römischen Hadrianswall gegen unerwünschte schottische und irische Einwanderer und die Theodosianische Mauer zum Schutze Konstantinopels.

Aus jüngerer Vergangenheit kennen wir die Mauer im geteilten Berlin, die israelischen Sperranlagen zum Westjordanland und die US-amerikanische Mauer an der Grenze zu Mexiko (bislang nur in Fragmenten vorhanden). Alle Mauern wurden entweder zum Schutz vor unerwünschter Immigration oder unerwünschter Auswanderung der eigenen Bevölkerung errichtet. Das ist in der Regel mehr schlecht als recht gelungen. Denn jede Mauer hat ihre Lücke oder einen Tunnel. Am Ende wurden Mauern immer abgetragen.

So wird es wohl auch jener Mauer ergehen, die der italienische stellvertretende Ministerpräsident Matteo Salvini an der Grenze zu Slowenien errichten will. Die italienische-slowenische Grenze erstreckt sich über 243 Kilometer, womit die Mauer um einiges länger sein wird als die ersten Prototypen in der Salvinischen Sandkiste. So eine lange Mauer wird auch einiges kosten und den maroden Staatshaushalt Italiens weiter belasten. Warum Salvini trotzdem eine Mauer bauen will? Wahrscheinlich denkt er noch in der kindlichen Logik von "Das ist meins und dort ist deins". (Markus A. Gaßner, 1.7.2019)

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