Das polnische Kraftwerk Bełchatów in der Nähe von Łódź gilt als größter einzelner CO2-Emittent Europas. Es ist nur eines von weltweit zahllosen Kraftwerken, die den Klimawandel vorantreiben.

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Im Jahr 1981 wurde in Polen das derzeit weltweit größte Braunkohlekraftwerk in Betrieb genommen. Belchatów südlich von Lódz erreichte zuletzt eine Gesamtleistung von 5.420 Megawatt. Bereits zuvor galt das Kraftwerk als Europas größter einzelner Kohlendioxidemittent. Zahlreiche ähnlich leistungsstarke Kohlekraftwerke rund um den Globus (mit vergleichbaren CO2-Emissionen) sind wahrscheinlich mitverantwortlich dafür, dass der Klimawandel unseren Kindern und deren Nachkommen eine veränderte Welt bescheren wird.

Am 12. Dezember 2015 vereinbarten 197 Vertragspartner weltweit im Rahmen der UN-Klimakonferenz in Paris Maßnahmen, die die globalen Durchschnittstemperaturen unter zwei Grad Celsius gegenüber den vorindustriellen Werten stabilisieren sollten. Dies ist freilich nur ein Maximalwert: Ein Sonderbericht des Weltklimarats beurteilt eine Begrenzung auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau als wesentlich wichtiger, da dieses Ziel viele negative Folgen der künftigen globalen Erwärmung minimieren könnte.

Schwer erreichbare Ziele

Dass dieses wichtige Ziel bis 2050 erreicht werden könnte, hängt nach einer aktuellen Studie allein davon ab, ob es gelingt, die bestehende, von fossilen Brennstoffen abhängige Infrastruktur frühzeitig abzuschalten.

"Wir müssen spätestens bis zur Mitte des Jahrhunderts die CO2-Emissionen auf null reduzieren, um eine Stabilisierung der globalen Temperaturen zu erreichen", erklärt Dan Tong von der University of California, Irvine. "Das wird allerdings nicht funktionieren, solange wir die langfristig angelegten fossilen Kraftwerke nicht vor ihrer geplanten Ablaufzeit stilllegen und durch andere Energietechnologien ersetzen."

Laut der nun im Fachjournal Nature präsentierten Studie verursachen die Emissionen aller derzeit existierenden, mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerke einen künftigen Kohlenstoffausstoß, mit dem sich eine durchschnittliche Erwärmung um mehr als 1,5 Grad Celsius vermutlich nicht mehr verhindern lässt.

Sollte diese heute existierende Infrastruktur, wie ursprünglich von den Betreibern geplant, für die kommenden Jahrzehnte weiterarbeiten, ist im Verlauf dieser Betriebszeit mit einem Ausstoß von 658 Gigatonnen CO2 zu rechnen.

Kein Platz für neue Anlagen

Mehr als die Hälfte dieser Emissionen kommt vom Elektrizitätssektor. China dürfte dabei mit 41 Prozent den größten Anteil beisteuern. Die USA liefert nach den Berechnungen neun und die Europäische Union sieben Prozent. Derzeit geplante fossile Kraftwerke, sollten sie tatsächlich gebaut werden, steuern künftig zusätzliche 188 Gigatonnen an CO2 bei.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass es in Hinblick auf die internationalen Klimaziele momentan praktisch keinen Platz für neue CO2-ausstoßende Infrastruktur gibt", sagt Koautor Steven Davis von der University of California. "Vielmehr sollten die existierenden Kraftwerke und Infrastrukturen, die fossile Brennstoffe verfeuern, früher als geplant abgeschaltet werden. Ohne diese radikalen Veränderungen werden die Ziele des Pariser Abkommens nicht erreicht werden können." (Thomas Bergmayr, 1.7.2019)