Gestatten, Heather Watson.

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London – Wimbledon ist einzigartig im Tennis-Sport. Es gibt wohl im gesamten Sport kaum einen Schauplatz, bei dem Traditionen so hochgehalten werden wie bei den All England Championships in London. Keine Werbebanden, weiße Tenniskleidung ohne Sponsoren und diverse andere Etiketten, die unbedingt zu beachten sind. Und doch gibt es 2019 zwei einschneidende Neuerungen in Wimbledon.

"Game, Miss.." oder "Misses..." wird man nicht mehr hören. Die Organisatoren haben sich durchgerungen, den langjährigen, höflichen Usus, Frauen nach ihrem Familienstand anzusprechen, abzuschaffen. Nur noch, wenn sich jemand daneben benimmt bzw. eine Verwarnung aus anderen Gründen bekommt, wenn es eine medizinische Ankündigung wie ein Time-out oder eine "Challenge" gibt, wird man mit Frau, Fräulein oder Herr angesprochen. Aber das gilt eben für beide Geschlechter gleich.

Gut und nicht so gut

"Gleichbehandlung ist immer gut", sagte die britische Spielerin Heather Watson über die Änderung. Der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic hingegen bedauerte die Abschaffung ein wenig. "Ich habe gedacht, dass diese Tradition sehr einzigartig und speziell war und habe es nett gefunden. Für mich ist es ziemlich überraschend, dass sie es geändert haben", sagte der Serbe.

Nicht mehr vorbeisehen konnten die Veranstalter nach einem neuerlichen Marathon-Match im Vorjahr, das den Ausgang des Turniers wohl mitbeeinflusst hat, an den Regeln für den fünften Satz. Nach einem 6:36-Stunden-Thriller im Halbfinale der Herren zwischen Kevin Anderson (RSA) und John Isner (USA), das der Südafrikaner mit 26:24 im fünften Satz gewonnen hatte, wurde nach intensiven Befragungen ein Kompromiss gefunden: Ab 2019 gibt es bei 12:12 im fünften Durchgang nun auch ein Tiebreak. Anderson war im Vorjahr erschöpft im Endspiel gegen Novak Djokovic klar im Nachteil gewesen. (APA, 2.7.2019)