Foto: REUTERS/Clodagh Kilcoyne

Amazon wurde schon oft für seine Arbeitsbedingungen kritisiert. Im Vorfeld des Prime Day am 15. Juli ruft Moderator und Comedian John Oliver Kunden in seiner Show "Last Week Tonight" nun dazu auf, sich die Arbeitsbedingungen der Lagerhausarbeiterinnen und -arbeiter vor Augen zu führen. Nach Ausstrahlung der Sendung gab es Kritik von Amazon. Dave Clark, Senior Vice President of Operations, widersprach der Darstellung auf Twitter.

"Fuck everything about this!"

Oliver nahm sich insbesondere einen Werbespot von Amazon zur Brust, der zeigen soll, wie das Unternehmen die rasche Lieferung zu den Kunden bewerkstelligt. Das Video ist zwar mit Ringelreihen tanzender Arbeiter absichtlich ironisch gehalten, dennoch geht der Comedian hart damit ins Gericht. Amazon hat auf Youtube die Kommentare dafür deaktiviert. Für John Oliver klar, denn die einzig angemessene Reaktion darauf wäre: "Fuck everything about this!"

Werbespot von Amazon.
Amazon News
LastWeekTonight

Oliver kritisiert die harten Arbeitsbedingungen der Lagerhausarbeiter und zitiert aus mehreren Studien und Zeugenberichten. So gab es in den USA 2017 etwa deutlich mehr Unfälle und Krankenstände in Warenlagern als beispielsweise in Bergwerken. Speziell Amazons Warenlager seien so riesig, dass Arbeiter enorme Strecken zurücklegen müssten. Eine Person berichtet etwa, in zehn Stunden dauernden Schichten bis zu 27 Kilometer gelaufen zu sein. Weiters wird kritisiert, dass die Arbeiter kaum Zeit für Klopausen haben, da sie sonst ihre Vorgaben nicht erfüllen können. Erst vor kurzem gab es auch Kritik aus Österreich. Beschäftigte berichteten von unmenschlichen Arbeitsbedingungen und Kündigungen. Die Schilderungen der Gewerkschaft wurden von Amazon allerdings als "Unsinn" bezeichnet.

Amazon-Manager widerspricht Oliver

Anders als in dem Werbespot von Amazon dargestellt, sei die Arbeit in Warenlager ein harter Job, bei dem viele Personen an ihre körperlichen Grenzen gehen, fasst Oliver zusammen. Amazon gelte als Trendsetter für die Branche – etwa was die Lieferung am selben Tag angehe. Das Unternehmen habe zwar auch den Mindestlohn auf 15 US-Dollar pro Stunde angehoben, doch "nicht die Schlimmsten" zu sein setze das Niveau sehr niedrig an, so Oliver.

Auf Twitter widersprach Vice President Dave Clark dieser Darstellung. Er sei ein Fan von John Olivers Show, "aber bei Amazon hat er nicht recht". Der Mindestlohn von 15 US-Dollar pro Stunde und andere Vorteile seien nur ein Teil dessen, was man Arbeitern biete. So schlechte Arbeitsbedingungen wie in Olivers Show zu suggerieren sei beleidigend. (br, 2.7.2019)