Ein Bauer steht in al-Hamdaniya bei Mossul auf seinem verbrannten Feld, 12. Juni.

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Löschversuche im kurdischen Qamishli, 17. Juni.

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Satellitenbild aus dem syrischen Idlib, 26. Mai.

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Bagdad – Im Irak und in Syrien sind seit Beginn der Weizenernte im April zahlreiche Felder abgebrannt. Satellitenbilder zeigen brennende Agrarflächen und kilometerlange Rauchwolken. Salman Barudu, der Leiter der Landwirtschaftsbehörde in den syrischen Kurdengebieten, sprach gegenüber der Deutschen Presse-Agentur von einer Katastrophe.

Auch im Irak zeigen Satellitendaten der US-Raumfahrtbehörde Nasa Brandnester als rote Punkte auf einer Landkarte. Laut Polizei hatten bewaffnete Männer etwa in der Gegend um Sinjar Felder in Brand gesteckt – rund 700 Familien flüchteten nach Mossul.

Wer hinter den Bränden steckt, ist ungewiss. Die Hauptverdächtigen sind Kämpfer der Jihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS), die in Syrien und im Irak ein sogenanntes Kalifat errichtet hatte und 2017 militärisch besiegt wurde, aber auch andere Gruppen werden beschuldigt. Immer wieder finden Bauern auf den abgebrannten Feldern die Überreste von Weckern, Vergrößerungsgläsern und Mobiltelefonen, mit denen Brandsätze gezündet wurden.

"Soldaten des Kalifats, verbrennt die Bauernhöfe der Abtrünnigen", hieß es in einem Aufruf des IS in seiner Wochenschrift "Al-Naba" Ende Mai (englische Übersetzung). Hunderttausende Hektar Land, bepflanzt mit Weizen und Gerste, lägen im Irak und Syrien bereit, um abgebrannt zu werden, dazu "Gärten, Felder, Häuser und wirtschaftliche Anlagen". Zu Beginn des Textes kündigen die Autoren mit böser Zunge einen "heißen Sommer" an. Eine Taktik der verbrannten Erde hatten IS-Milizen schon eingesetzt, bevor sie 2014 weite Teile des Iraks und Syriens überrannten.

"Aufständische des IS sind vermutlich für den Großteil der Brände verantwortlich", schreibt Nahostforscher Wim Zwijnenburg nach einer Auswertung von Satellitenaufnahmen und Fotos der betroffenen Gebiete im Irak. Teilweise würden die Extremisten damit Abgaben erpressen. Berichten zufolge sollen sie sogar Sprengfallen ausgelegt haben, um Löscharbeiten zu behindern. So wurden in der irakischen Provinz Ninive zwei der 53 verfügbaren Feuerwehrfahrzeuge durch improvisierte Landminen beschädigt.

"Die Logik lautet: Wenn wir dieses Land nicht haben können, dann auch niemand sonst", sagt Peter Schwartzstein vom Center for Climate and Security der "Washington Post". Er vermutet aber, dass andere Gruppen die Brände ebenfalls für ihre Zwecke nutzen. Denn seit der IS zu den Brandstiftungen aufgerufen hat und diese teilweise auch für sich beansprucht, können andere Akteure gewissermaßen als Trittbrettfahrer Feuer legen und ihren Rivalen damit Land verweigern oder selbst Rache üben.

Vorwürfe gegenüber Türkei

Damit kommen weitere mutmaßliche Brandstifter infrage: Kurden und Araber etwa, deren Landbesitz in ihrem jahrelangen Konflikt immer wieder wechselte, sowie lokale Gegner und Unterstützer des "Islamischen Staats". Die kurdisch geführten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) vermuten etwa auch Truppen der Regierung von Präsident Bashar al-Assad oder die Türkei hinter den Bränden. Assad habe keinerlei Interesse daran, dass der kurdisch verwaltete Nordosten Syriens wirtschaftlich auf die Beine kommt.

"Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie türkische Soldaten auf diejenigen schossen, die einen Brand nahe der Grenze löschen wollten", sagte Behördenleiter Barudu den kurdischen Aktivisten des Rojava Information Center. Dort heißt es, Anrainer kämpften mit Traktoren und sogar Handtüchern gegen die Flammen.

Nicht zuletzt könnten Explosionen nach Luftangriffen gegen Stellungen des IS oder Sprengsätze ein Feuer auslösen. In der sengenden Hitze – im Irak erreichte die Höchsttemperatur heute 43 Grad Celsius – könnte dafür schon ein Funke reichen. Selbst durch ein Stück Glas verstärkte Sonnenstrahlen könnten die dürre Vegetation in Flammen aufgehen lassen.

Nahrungsversorgung gefährdet

Vor "potenziell ernsthaften Folgen für die Lebensmittelsicherheit" warnt der Sprecher des Welternährungsprogramms, Herve Verhoosel. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte zählte in Syrien mindestens zehn Tote im Zusammenhang mit den jüngsten Bränden und berichtete von Verlusten im Wert von umgerechnet mehr als 300 Millionen Euro. Fotos aus dem Irak zeigen massive Rauchsäulen vor blauem Himmel. Allein im Mai brannten dort Forscher Zwijnenburg zufolge mehr als 1.000 Quadratkilometer – eine Fläche, die größer ist als die Stadt Berlin. (red, APA, dpa, 2.7.2019)