Die ersten zwei Sätze verliefen ziemlich ausgeglichen, im dritten und vierten gelang Thiem nicht mehr viel.

Foto: REUTERS/Toby Melville

Querrey nahm sein in Eastbourne getanktes Selbstvertrauen mit nach London und präsentierte sich von seiner besten Seite.

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London – Erst Alexander Zverev, dann der Grieche Stefanos Tsitsipas und schließlich Dominic Thiem – die jungen Wilden des Tenniszirkus` rutschen auf dem Rasen von Wimbledon spektakulär aus. Für Thiem war der insgesamt sechste Auftritt im All England Lawn Tennis and Croquet Club nach 2:28 Stunden beendet. Sam Querrey, der Halbfinalist von 2017, verwertete seinen ersten Matchball zum 6:7 (4), 7:6 (1), 6:3, 6:0. Zu verteidigen war für den Niederösterreicher nichts gewesen, im Vorjahr hatte der Achtelfinalist von 2017 schließlich in der ersten Runde und im vierten Satz gegen den Zyprer Marcos Baghdatis blessiert aufgegeben.

Sechs Breakchancen ausgelassen

Dass die Partie auf Court zwei gegen Querrey heikel werden würde, war vorauszusehen gewesen. Der 1,98 Meter hohe Aufschlagspezialist aus San Francisco hatte nach längerer verletzungsbedingter Pause zuletzt im Vorbereitungsturnier zu Eastbourne das Finale erreicht, da aber gegen seinen Landsmann Taylor Fritz verloren. Gegen Thiem kam er nicht sofort in die Gänge, im ersten Satz war der Favorit klar obenauf, ohne dass ihm ein Break gelungen wäre. Im zweiten Satz hatte die Nummer vier der Welt die Nummer 65 weiter im Griff, gab aber das zweite Tiebreak fast widerstandslos ab. Thiem wirkte etwas frustriert, der 31-jährige Konkurrent konnte sein Spiel aufziehen, punktete mit dem ersten Aufschlag zu 90 Prozent und verwertete auch seine erste Breakchance. Thiem verpasste im gesamten Match alle sechs diesbezüglichen Chancen. Im vierten Satz verzichtete er auf Gegenwehr und gab seine drei Aufschlagspiele ab.

Hoffnung Hamburg

Thiem, der ab 22. Juli in Hamburg auf Sand zurückkehrt, glaubte sich, in der Pause nach Paris die körperlichen Voraussetzungen für ein gutes Abschneiden in London gelegt zu haben. "Wenn es sich jetzt nicht in Wimbledon auszahlt, dann ganz bestimmt im weiteren Verlauf der Saison", sagte er vor dem Match gegen Querrey. "Es ist jetzt nicht nur so, dass ich das für Wimbledon gemacht habe. Sondern, damit ich in jedem Turnier, in dem ich antrete, so frisch wie möglich bin."

Das sollte die Basis für ein gutes zweites Halbjahr sein, in dem der Niederösterreicher noch besser als 2018 abschneiden will. Im Vorjahr gelangen das Viertelfinale bei den US Open, der Titel in St. Petersburg, das Halbfinale in Paris und die Teilnahme an den ATP-Finals. Thiem will es vor allem in der Zeit bis zu den US Open besser machen. "Hamburg, Kitzbühel, in Kanada, wo ich noch nie eine Runde gewonnen habe. Wenn ich bei allen Turnieren ein bisschen konstanter spiele als die letzten Jahre, hole ich schon automatisch einige Punkte."

Die Abfuhr in Wimbledon könnte auch auf den Verzicht auf das Vorbereitungsturnier in Halle zurückzuführen sein. Matchpraxis auf Rasen hatte Thiem lediglich durch eine verlorene Exhibition gegen den Chilenen Nicolas Jarry. Für das insgesamt fünfte Match gegen Querrey, der im Head-to-Head auf 2:3 verkürzte, reichte das und das Training der vergangenen Tage augenscheinlich nicht.

Bitteres Resümee

Thiem sah die Schlüsselszene nach dem 4:3 in Satz drei. "Ich habe bis dahin gut und annehmbar gespielt. Dann hatte ich da den Return (bei Breakball Thiem, Anm.) ganz gut am Racket, habe ihn aber nicht verwertet. Da war ich ein bisschen angepisst, und er hat dann seinen ersten Breakball verwertet. Das war hart für mich, und danach hat nicht mehr viel bei mir funktioniert."

Den vierten Satz habe Sam Querrey dann "on fire" begonnen. "Da ist mir für kurze Zeit das Match entglitten. Das erste Game im vierten Satz habe ich richtig schlecht gespielt. Das, was ich mir vorwerfen kann, ist, dass ich dieses Game verhaut habe." Spätestens nach dem 0:3 habe er dann jedoch keine Chance mehr gesehen. "Wenn du gegen ihn ein Doppelbreak zurück bist, ist es beinahe unmöglich, noch zurückzukommen", räumte Thiem ein.

Die vergebenen Breakbälle würden am meisten wehtun, auch habe er da einmal zu passiv gespielt. Im Wesentlichen sei er aber gut auf das Match eingestellt gewesen. "Ich bin nur mental eingebrochen, als er seine erste Breakchance verwertet hat. Und das war es im Grunde."

Auch Novak in vier Sätzen gescheitert

Auch nicht weiter gekommen ist der Niederösterreicher Dennis Novak. Der 25-jährige Qualifikant unterlag dem Ungarn Marton Fucsovics in 2:33 Stunden 6:3, 4:6, 6:7(2), 2:6. Novak wird in der Weltrangliste von Rang 104 aus zurückfallen, hatte er doch im Vorjahr bei diesen Grand-Slam-Tennisturnier Runde drei erreicht.

Novak hielt sich bloß fünf Minuten länger im Bewerb als Thiem, beide hatten nach Gewinn des ersten Satzes ihr Pulver weitgehend verschossen. "Ich habe im ersten Satz bis auf ein Aufschlag-Game ganz gut begonnen", sagte Novak hernach. "Im zweiten bin ich ein bisschen passiver geworden." Der dritte Durchgang wiederum schien bei 2:5 schon verloren, aber Novak drehte ihn mit Breakvorsprung zum 6:5, verlor ihn aber doch im Tiebreak.

"Der Satz war komisch. Ich hatte einen Satzball abgewehrt, dann mache ich zwei gute Spiele zum 6:5, das Tiebreak war aber einfach schlecht von mir", erläuterte Novak. "Im vierten Satz ist er mir davongelaufen." (red, APA, 2.7.2019)