Immer häufigere und drastischere Berichte über Plastikreste selbst an den entlegensten Orten des Planeten zeigen auf, dass die Menschheit ein Müllproblem hat. Zu lange war es billiger, neue Verpackungen zu produzieren und zu kaufen, als alte wiederzuverwerten. Doch nicht erst seit dem vieldiskutierten Plastiksackerlverbot erkennen Unternehmen die Notwendigkeit, auf ressourcenschonende Methoden der Verpackung umzusteigen. Die EU legte 2015 das sogenannte Circular Economy Package, also das Kreislaufwirtschaftspaket, vor. Darin werden Recyclingziele für unterschiedliche Verpackungsarten festgelegt.

Plastikmüll wird zunehmend zum Problem – auch für die Verpackungsindustrie.
Foto: Reuters/JON NAZCA

"Verpackungsabfälle sollen bis 2025 zu 65 Prozent und bis 2030 sogar 70 Prozent recycelt werden", nennt Silvia Apprich ein Beispiel. Apprich ist Leiterin des Studiengangs Verpackungstechnologie am FH Campus Wien und unterstützt in einem zweijährigen Projekt österreichische Wirtschaftstreibende bei der Umsetzung dieser Ziele. Das von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützte Projekt "Packaging Solutions in a Circular Economy" ist in Form von Modulen aufgebaut.

Dringend notwendige Maßnahmen

Dabei wird zuerst Grundlagenwissen zu Verpackungen und Materialien mit den Teilnehmern aufgebaut und dann das Prinzip der Circular Economy behandelt. Danach arbeitet die FH gemeinsam mit den beteiligten Unternehmen an deren aktuellen Verpackungslösungen und eruiert, wie man diese optimieren kann. Die teilnehmenden Betriebe erstrecken sich von Lebensmittelproduzenten bis hin zu Herstellern von Verpackungsmaterialien und Consulting-Unternehmen, also Verpackungshersteller und -anwender gleichermaßen.

Was die Erfolgsaussichten der dringend notwendigen Maßnahmen auf EU-Ebene angeht, ist die Forscherin zwiegespalten: "Die definierten Recyclingziele sind sehr ambitioniert und werden manche Länder vor Herausforderungen stellen. Wichtig ist, in diesem Zusammenhang an einheitlichen Lösungen und Strukturen zu arbeiten und das grenzübergreifend zu verfolgen", sagt Apprich. "In Österreich besteht aber eine weitreichende Infrastruktur rund um das Thema Recycling. Daher nehmen wir unsere Vorreiterrolle auf europäischer Ebene sehr ernst."

Metall, Papier und Glas

Doch während sich die öffentliche Aufmerksamkeit meist rein auf Plastik fokussiere, würden andere Verpackungsmaterialien oft ausgespart. "Natürlich gibt es einen Schwerpunkt auf Kunststoffverpackungen, da hier die aktuellen Verwertungsquoten noch weit unter den vorgegebenen liegen. Wir behandeln aber auch die Packstoffe Metall, Papier und Glas. Es sollen die vier großen Materialien, die im Verpackungsbereich eingesetzt werden, beleuchtet werden", sagt Apprich. "Uns ist wichtig, darauf einzugehen, dass nicht ein Material gegenüber den anderen vorzuziehen ist, sondern im Einzelfall immer Rezyklierbarkeit, Wiederverwendbarkeit, Produktschutz und ökologische Bilanz betrachtet werden müssen."

Schließlich sei eine Verpackung aus Kunststoff nicht zwangsläufig schlechter als eine Papier- oder Glasverpackung. Die Funktionalität eines Verpackungsmaterials gelte es immer produktspezifisch zu berücksichtigen, denn an die Verpackung eines Elektronikartikels oder Lebensmittels stellten sich unterschiedliche Anforderungen. "Man kann sich nicht auf Kunststoff einschießen und sagen, dass Kunststoffverpackungen vom Markt verschwinden müssen, weil sie in vielen Anwendungen auch Vorteile gegenüber anderen Lösungen besitzen. Entscheidend ist die ganzheitliche Betrachtung", betont Apprich.

Das im Februar gestartete Projekt soll nicht nur Verpackungen in der Kreislaufwirtschaft nachhaltig gestalten, es wird auch intern weiterverwertet: "Das geht immer Hand in Hand, dass wir Inhalte aus der Lehre in die Unternehmensschulungen einbringen und umgekehrt. Die Schulungsmodule werden weiterhin über die Campus-Wien-Academy angeboten werden." (Markus Plank, 7.7.2019)