Belo Horizonte – Der Traum von Lionel Messi von einem internationalen Titel mit seiner argentinischen Nationalmannschaft ist wieder einmal geplatzt: Rekordweltmeister Brasilien schlägt den Erzrivalen bei der Südamerikameisterschaft und zieht in das Finale der Copa America ein. Die Seleção setzte sich am Dienstag in Belo Horizonte mit 2:0 (1:0) gegen die argentinische Auswahl durch. Am Mittwoch eliminierte Peru Titelverteidiger Chile überraschend klar mit 3:0 (2:0).

Die Gastgeber gingen in der 19. Minute des Halbfinales durch Gabriel Jesus in Führung. Zuvor hatte Dani Alves sich im Mittelfeld den Ball geholt, mehrere Gegenspieler stehen gelassen und Roberto Firmino auf der rechten Seite angespielt, der den Ball genau vor das Tor passte. Jesus hielt den Fuß hin und traf aus kurzer Distanz.

2:0 in der 71. Minute

In der 71. Minute legte Firmino zum 2:0 nach, nachdem Gabriel Jesus mit einem langen Sprint aus der eigenen Hälfte heraus bis in den gegnerischen Strafraum vorgedrungen war und den Ball in die Mitte schob, wo Firmino dann aus kurzer Entfernung verwandeln konnte.

Jubel bei den Brasilianern nach dem 2:0-Treffer durch Jesus (2. von rechts).
Foto: APA/AFP/PEDRO UGARTE

Die Argentinier protestierten heftig nach diesem Treffer, weil sie vor dem Konter ein Foul an Messi im gegnerischen Strafraum gesehen haben wollten. Auch auf der Tribüne gerieten die Fans der beiden Teams aneinander, die Polizei musste dazwischen gehen.

"Waren sehr konzentriert"

"Es war ein hartes Spiel, aber wir waren sehr konzentriert", sagte Alves nach dem Abpfiff. "Ich bin sehr froh. Wir haben viel für diesen Sieg gearbeitet." Der Argentinier Nicolas Tagliafico räumte ein: "Sie waren effizienter als wir."

Enttäuschung bei Lionel Messi (links), der weiter auf einen Titel mit der argentinischen Nationalelf warten muss.
Foto: AP Photo/Ricardo Mazalan

Obwohl Messi in der Partie sein bisher bestes Spiel bei der Südamerikameisterschaft zeigte, endete die Copa America erneut mit einer großen Enttäuschung für ihn. Im Klubfußball hat der Stürmer bereits alles erreicht, doch noch immer ist er ohne internationalen Titel mit seiner Albiceleste. Zuletzt verlor er mit Argentinien zweimal in Folge im Finale der Südamerikameisterschaft – ebenso wie bei der WM 2014 in Brasilien gegen Deutschland.

Messi denkt nicht an Rücktritt

Rücktrittsgerüchte hat Messi dennoch prompt weggewischt. Er werde der Mannschaft weiterhin helfen, betonte er nach der Enttäuschung gegen Brasilien. "Am Horizont zeichnet sich etwas Neues ab", sagte Messi mit Blick auf die neu formierte "Albiceleste".

Die verjüngte Mannschaft habe bei der Copa zu gefallen gewusst, hielt der 32-Jährige fest. "Ich hoffe, dass wir mit Respekt behandelt und nicht kritisiert werden. Sie sollen diese Mannschaft wachsen lassen", forderte Messi. "Ich komme mit diesem Team sehr gut aus, und wenn ich irgendwie helfen kann, werde ich das tun. Wenn ich weiter Teil davon bin, werde ich das machen", erklärte der fünffache Weltfußballer.

War er nach der Niederlage im Copa-Finale 2016 aus der Nationalelf zurückgetreten und erst vor der WM 2018 zurückgekehrt, ließ der Starstürmer durchblicken, dass er Teamchef Lionel Scaloni nun weiter zur Verfügung stehe. Dass Südamerikas Kontinentalturnier 2020 in Argentinien und Kolumbien stattfindet, dürfte dabei ein Faktor sein. Bei der WM 2022 in Katar wäre Messi bereits 35 Jahre alt.

Viermal mit der "Albiceleste" in einem Finale

Gegen Brasilien zeigte er die beste Leistung im Turnierverlauf. Das neuerliche Scheitern wird dennoch an ihm nagen. 29 Titel hat Messi mit Barcelona gewonnen, mit Argentinien steht weiter nur der Olympiasieg 2008 zu Buche. In neun Turnierantritten mit dem zweifachen Weltmeister hat er zwar viermal das Finale erreicht, aber niemals eines gewonnen. In Argentinien wird wieder Kritik aufkommen, dass Messi eine durchschnittliche argentinische Mannschaft anders als Diego Maradona nicht auf ein höheres Level heben könne.

Lionel Messi und Sergio Aguero beim Hadern mit Schiri Roddy Zambrano.
Foto: AP/Victor R. Caivano

Brasilien agierte in Belo Horizonte effektiver als der Erzrivale. Ärger kam bei den Argentiniern vor allem ob der Entstehung des zweiten Gegentreffers auf. Unmittelbar davor fiel Sergio Aguero im Strafraum über das ausgestreckte Bein von Dani Alves, der bei der Copa oft genutzte Video-Assistent wurde jedoch nicht konsultiert. "Die Schiedsrichter haben so viele dumme Fouls gegeben, aber heute wurde der Videoreferee nicht einmal genutzt", monierte Messi. Er beklagte auch einen Mangel an Respekt vonseiten des Unparteiischen.

Brasilien gegen Peru

Am kommenden Sonntag trifft Brasilien nun im Finale der Copa America auf Peru. Die peruanische Auswahl gewann am Mittwoch in Porto Alegre mit 3:0 (2:0) gegen die Chilenen. Argentinien kämpft am Samstag gegen Chile um den dritten Platz.

Peru ging in der 21. Minute in Führung. Christian Cueva schickte den Ball von rechts in den Strafraum, Andre Carrillo lenkte ihn mit dem Kopf leicht ab und Edison Flores traf schließlich mit einem kräftigen Schuss ins rechte Eck.

In der 38. Minute erhöhte Yoshimar Yotun auf 2:0. Chiles Torhüter Gabriel Arias wollte den Ball von der Torauslinie holen, doch Carrillo schlug ihn im letzten Moment noch steil in den Strafraum und Yotun traf das leere Tor. Kurz vor Abpfiff traf in der 90. Minute noch Paolo Guerrero zum Endstand. (APA, 3.7.2019)