Sommerzeit ist Reisezeit. Das gilt für viele Menschen seit vielen Sommern. Seit dem vergangenen Jahr mehren sich aber solche Bilder. Man wird sich wohl oder übel daran gewöhnen müssen.

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Wien – Streik zur Hauptreisezeit: Was Flugbranche und Reisende am meisten fürchten, könnte in den nächsten Wochen dem Flughafen Wien ins Haus stehen. Keine erfreuliche Aussicht, angesichts der Verspätungen und Flugausfälle, die auch dieser Sommer ohnehin mit sich bringen wird. Die Gewerkschaft Vida droht, notfalls mit einem Generalstreik aller in Wien stationierten Airlines, den Flugbetrieb lahmzulegen. Gefordert wird einmal mehr ein Branchen-Kollektivvertrag. Die Wirtschaftskammer lehnt umgehend ab. Es ist nicht das erste Mal und wird auch nicht das letzte Gefecht in der Sache sein.

Im Hintergrund geht es wieder einmal um die Gehälter des fliegenden Personals. Dass die in der Luft keine großen Sprünge machen, ist bekannt – spätestens seit die Flugbegleiter der früheren Laudamotion ursprünglich mit 959,20 Euro brutto abgespeist und über eine Leiharbeitsfirma angestellt werden sollten. Das brachte nicht nur Gewerkschafter in Rage. Die heutige Lauda hat einen Kollektivvertrag, ebenso wie die AUA-Schwester Eurowings.

Nirgends üppige Gehälter

Üppig sind die Gehälter mit einem durchschnittlichen jährlichen Bruttoeinstiegsgehalt von 21.000 Euro für Flugbegleiter nicht. Der Schluss, dass Billigairlines grundsätzlich schlecht zahlen, wäre aber verfehlt. Die britische Easyjet etwa liegt mit einem Jahreseinstiegsgehalt von rund 26.000 Euro für Flugbegleiter um einiges über jenem der Konkurrenz. Selbst bei einem Grundeinstiegsgehalt von brutto knapp 1.000 Euro monatlich stehen auf dem Gehaltszettel dank Zulagen und Diäten oft nicht viel weniger als bei der AUA. Der Unterschied zeigt sich hauptsächlich bei Zulagen und Freizeitregelungen. Kollektivvertrag hin oder her.

So manche Billigairlines wollen dennoch keinen. Besonders zwei von ihnen sind der Gewerkschaft derzeit ein Dorn im Auge: der ungarische Billigflieger Wizzair und Level, die Low-Cost-Marke der International Airlines Group (IAG). Sie wurde vor einem Jahr am Flughafen Wien ins Rennen geschickt. Wizz verweigert in den Augen der Gewerkschaft seit gut einem Jahr sowohl einen Betriebsrat als auch einen KV. Wizz habe den Firmensitz in Ungarn, argumentieren sowohl Wirtschaftskammer als auch Wizz-CEO József Váradi. Für Vida-Gewerkschafter Daniel Liebhart ist das kein Argument. Wizz betreibe Lohn- und Sozialdumping, sagt er erbost.

Niki Lauda und das Leasing

Der für seine Leasing-Konstruktionen heftig kritisierte, verstorbene Niki Lauda habe wenigstens eine Personalleasingfirma in Österreich unterhalten. Wizz halte sich an gar keine heimischen Standards. Das sei unfair auch den Airlines gegenüber, die nicht so agieren. "Ein so unfairer Wettbewerb kann nicht im Sinne der Wirtschaft sein", befürchtet Liebhart eine Abwärtsspirale.

Wirtschaftskämmerer Christian Domany springt für seine Mitglieder eine Bresche: "In der Luftfahrt sind Branchen-KVs aufgrund der globalen Tätigkeit absolut unüblich." Es gelte, Standort und Arbeitsplätze zu sichern. Nicht um jeden Preis, findet Liebhart, der "Hungerlöhne" beklagt.

Derzeit wird über einen KV bei Level verhandelt. 1.261 Euro brutto ist derzeit das Grundgehalt für die fliegende Crew. 1.422 wären dies laut aktuellem Angebot der Arbeitgeberseite – Bonuszahlung bei Erreichung von Leistungszielen schon inklusive. Wer viel fliegt – wenn er kann, denn in der Nebensaison fallen oft weniger Dienste an –, kann es auf 1.700 Euro bringen. Die 14. Verhandlungsrunde ist ergebnislos verstrichen. Ob sich die Verhandler näherkommen, ist offen. Die Kammer zeigt sich gesprächsbereit. "Einen Streik wollen wir alle nicht", sagt auch Liebhart. Kann sein, dass im August weiterverhandelt wird – oder eben doch gestreikt. (Regina Bruckner, 3.7.2019)