Die Satellitenbilder zeigen das Lager vor und nach dem Angriff.

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Ermittler der international anerkannten Regierung untersuchen die Ruine.

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António Guterres hat nach dem Angriff auf ein Lager, in dem sich afrikanische Migranten aufhalten, eine Untersuchung gefordert.

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Tripolis – Zu dem tödlichen Luftangriff auf ein Lager mit Migranten in Libyen hat der UN-Sicherheitsrat Diplomaten zufolge keine klare Stellung bezogen. Das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen habe sich am Mittwoch hinter verschlossenen Türen mit dem Angriff befasst.

Die USA hätten jedoch eine Erklärung verhindert, mit der der Vorfall verurteilt und eine Feuerpause gefordert worden wären. Warum die USA, die in dem 15-köpfigen Rat ein Vetorecht haben, die Erklärung nicht mittragen wollten, war zunächst nicht klar.

44 Tote, 130 Verletzte

Bei dem Angriff nahe Tripolis waren nach UN-Angaben mindestens 44 Menschen getötet und mehr als 130 verletzt worden. In dem Lager wurden überwiegend afrikanische Migranten festgehalten. Der Libyen-Beauftragte der UN, Ghassan Salame, erklärte, der Angriff erreiche "klar das Niveau eines Kriegsverbrechens".

UN-Generalsekretär António Guterres forderte eine unabhängige Untersuchung. Die international anerkannte Regierung in Tripolis wirft den Truppen des abtrünnigen Generals Khalifa Haftar vor, für den Angriff verantwortlich zu sein. Diese weisen das zurück.

Mögliches Kriegsverbrechen

Die Vereinten Nationen äußerten sich aber nicht dazu, wen sie für verantwortlich halten. Guterres Sprecher schloss auf Nachfrage nicht aus, dass es sich um ein Kriegsverbrechen handeln könnte. Auch das US-Außenministerium verurteilte die Angriffe.

Im ölreichen Libyen herrscht acht Jahre nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi in weiten Teilen des mehrfach gespaltenen Landes Anarchie. Im blutigen Machtkampf zwischen der international anerkannten Regierung in Tripolis und General Haftar mischen sich zahlreiche Länder ein. Regionale Milizen, Banden und Extremisten wie die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) nutzten das Vakuum aus. Der gescheiterte Staat in Nordafrika ist zudem auch wichtiges Transitland für Migranten, die nach Europa wollen.

Mehr als 600 Migranten untergebracht

Das mit Flüchtlingen überfüllte Lager Tadschura ist nach Angaben von UN und Menschenrechtsorganisationen ein Internierungslager. Dort seien mehr als 600 Migranten unterschiedlicher Nationalitäten untergebracht, hieß es. In dem getroffenen Lagerteil lebten rund 150 Männer aus verschiedenen afrikanischen Ländern, sagte Mabruk Abdel-Hafis, der im Auftrag der Regierung in Tripolis mit Migranten arbeitet.

Haftars selbst ernannte Libysche Nationale Armee (LNA) wies die Vorwürfe, für das Massaker verantwortlich zu sein, zurück und beschuldigte ihrerseits Regierungstruppen. Seit April wurden bei den Kämpfen um die Hauptstadt Tripolis mehr als 700 Menschen getötet und 4.400 verletzt. Rund 70.000 Menschen wurden durch die Kämpfe vertrieben.

Erst am Montag hatte die LNA schwere Angriffe auf Tripolis angekündigt. Haftar herrscht über weite Teile des Landes, die schwache international anerkannte Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch dagegen besitzt kaum Einfluss über die Grenzen der Hauptstadt hinaus. (APA, 4.7.2019)