Britische Marineinfanteristen auf dem Weg zur "Grace 1"

Foto: AP/Marcos Moreno

Die "Grace 1" wurde vor Gibraltar gestoppt.

Foto: REUTERS

Polizeieinsatz vor Gibraltar.

Foto: AP/Marcos Moreno

Gibraltar – Die britische Marineinfanterie hat am frühen Donnerstagmorgen vor Gibraltar einen Supertanker wegen des Verdachts illegaler Öllieferungen an Syrien gestoppt. Das Schiff Grace 1 sei in der Früh an der Südspitze der Iberischen Halbinsel angehalten worden, teilte Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo mit. Laut britischem Verteidigungsministerium wurden knapp 30 Soldaten eigens aus Großbritannien eingeflogen.

Das 330 Meter lange Schiff, das zu groß für die Durchfahrt durch den Suezkanal ist, hatte offenbar Rohöl geladen, das unter Umgehung der EU-Sanktionen gegen Syrien in das Bürgerkriegsland geliefert werden sollte. Schiff und Ladung wurden beschlagnahmt.

Ladung falsch deklariert

Von der Nachrichtenagentur Reuters ausgewertete Verschiffungsdaten deuten darauf hin, dass die Ladung des Tankers aus dem Iran stammt, obwohl dessen Dokumente eine Herkunft aus dem irakischen Basra angeben.

Hubschraubereinsatz.

"Wir haben Grund zu glauben, dass die Grace 1 ihre Lieferung zur Banjas-Raffinerie in Syrien bringen wollte", erklärte Picardo. Die Betreiberfirma der Raffinerie unterliege den EU-Sanktionen gegen Syrien.

Transponder ausgeschaltet

Die "New York Times" meldet, dass die Besatzung des Schiffs offenbar bei der Einfahrt in iranische Gewässer den Transponder abschaltete, um auf Webseiten, die den internationalen Seeverkehr verfolgen, nicht aufzuscheinen. Auf Satellitenbildern war die "Grace 1" natürlich weiter zu sehen. Mitte April lag das Schiff laut tankertrackers.com vor dem iranischen Ölverladeterminal auf der Insel Kharg.

USA ersuchten Briten, Schiff zu stoppen

Spaniens Außenminister Josep Borrell erklärte, die USA hätten Großbritannien aufgefordert, das Schiff zu stoppen. Spanien prüfe den Fall. Untersucht werde, ob dadurch die Souveränität seines Landes beeinträchtigt wurde. Spanien erkennt die Gewässer um Gibraltar nicht als britisch an.

Ein Sprecher der britischen Premierministerin Theresa May begrüßte die Festsetzung des Öltankers und beschrieb diese ebenfalls als Schritt zur Durchsetzung von EU-Sanktionen gegen die syrische Führung. Die EU-Kommission wollte sich nicht äußern. Sie erklärte, ihr lägen dazu keine Informationen vor. Die Durchsetzung von Sanktionen der Europäischen Union sei Sache der Mitgliedstaaten.

Es ist der erste öffentlich bekannte Fall einer Festsetzung eines Tankers wegen eines Verstoßes gegen Syrien-Sanktionen der EU. Diese sind seit 2011 in Kraft. Der Iran versorgt Syrien trotz Embargos mit Erdöl. Im Jahr 2017 wurden täglich 66.000 Barrel zu 159 Liter geliefert, 2018 waren es laut Bloomberg-Daten 32.000. Die "Grace 1" fährt laut dem Branchendienst "Lloyd's List" unter der Flagge Panamas. (APA, AFP, Reuters, 4.7.2019)