US-Grenzpolizisten bewachen Migranten, die über den Rio Grande ins Land gekommen sind. Nun stehen sie in der Kritik.

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Die amerikanische Grenzpolizei ist erneut in die Schlagzeilen geraten, nachdem Berichte über skandalöse Zustände in einem ihrer Lager in Texas erst vor wenigen Tagen für Aufsehen gesorgt hatten. Diesmal steht sie wegen offen rassistischer, unfassbar kalter Wortmeldungen in sozialen Medien in der Kritik. Auslöser ist eine Serie von Kommentaren auf einer nur Insidern zugänglichen Facebook-Seite, die nach den Worten ihrer Initiatoren eine ebenso "witzige wie ernsthafte" Diskussion über die Arbeit der Border Patrol ermöglichen soll.

Die Leichen seien verdächtig sauber, schreibt einer zu einem Bild, das Oscar und Valeria Ramirez, einen aus El Salvador geflohenen Vater und seine noch nicht zweijährige Tochter, im Uferwasser des Rio Grande zeigt. Die Gesichter nach unten, ertrunken in dem Fluss, der weitgehend die Grenze zwischen den USA und Mexiko bildet. Ob das Foto nicht gestellt sein könnte, fragt er, er habe noch nie so blankgewaschene Wasserleichen gesehen.

Ein anderer bezieht sich in demonstrativer Gefühlskälte auf Meldungen über den Tod eines 16-jährigen Guatemalteken in der Obhut der Grenzpatrouillen: "Wenn er stirbt, stirbt er eben." Wieder andere nehmen Alexandria Ocasio-Cortez aufs Korn, mit 29 die jüngste Frau, die je ins amerikanische Repräsentantenhaus gewählt wurde. Bevor die New Yorkerin zu Wochenbeginn mit Mitgliedern ihrer Parlamentsfraktion nach Texas reiste, um ein ins Gerede gekommenes Auffanglager in der Kleinstadt Clint zu inspizieren, wurde sie aufs Übelste verhöhnt. Bildmontagen zeigen sie als Prostituierte beim Oralsex.

Burritos für die "Hexen"

Ein Mitglied der Facebook-Gruppe rief zum Spendensammeln auf, um Burritos zu kaufen, mit denen man nach "diesen Hexen" werfen könne. Gemeint sind Ocasio-Cortez und Veronica Escobar, Abgeordnete aus der Grenzstadt El Paso – beide Latinas.

In dem Lager in Clint hatten mehr als 300 Kinder unter katastrophalen Bedingungen gehaust, bevor Rechtsanwälte, die sich per Richterentscheid den Zutritt erzwangen, die schockierenden Schilderungen veröffentlichten.

Demnach mussten Heranwachsende wochenlang auf dem nackten Betonboden schlafen, viele konnten kein einziges Mal duschen, weder gab es Zahnbürsten noch Zahnpasta oder Seife. Zwar wurden die meisten Kinder inzwischen verlegt, was allerdings nicht heißt, dass das umstrittene Aufnahmezentrum in Clint bereits geschlossen wäre.

Aus der Toilette trinken

Eine der Migrantinnen, twitterte Ocasio-Cortez, habe ihre Aufpasser gefragt, wie sie angesichts des defekten Wasserhahns in ihrer Zelle zu Trinkwasser komme. Die Antwort: Sie möge aus der Toilette trinken. Daraufhin habe sie, Ocasio-Cortez, übergeordnete Stellen auf den Fall angesprochen. Einige Beamte, habe man ihr erwidert, seien derart gestresst, dass sie eben ab und zu Dampf ablassen müssten.

Eine weitere Frau in der fensterlosen Halle, ergänzt die Politikerin, erklärte, sie werde mal als Hure beschimpft, mal zu unsinnigen Zeiten geweckt, ohne dass es einen Grund dafür gäbe.

Chronische Überforderung

Aufgabe der Border Patrol ist es, die Landesgrenzen der USA zu schützen. Nach den Plänen Trumps soll sie deutlich aufgestockt werden, was allerdings bislang daran scheitert, dass sie zum einen nicht genügend Rekruten findet und zum anderen unter einer hohen Fluktuation leidet. Die Gewerkschaft ihrer rund 20.000 Agenten, wie die Polizisten im offiziellen Sprachgebrauch heißen, klagt seit längerem über chronische Überforderung.

Der vor drei Jahren ins Leben gerufenen Facebook-Gruppe, die nun für Wirbel sorgt, gehören etwa 9500 Mitglieder an, unter ihnen sowohl aktive als auch ehemalige Agenten. Herausgefunden hat es Pro Publica, eine über Stiftungen finanzierte Plattform für investigativen Journalismus. (Frank Herrmann aus Washington, 4.7.2019)