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Gibt Jeff Bezos 88.000 Dollar aus, kann ein durchschnittlicher US-Amerikaner einen Dollar verprassen. Dementsprechend viele Nullen braucht es, um das Vermögen des reichsten Menschen der Welt zu beziffern. Es sind genau neun. Laut dem Bloomberg Billionaires Index hat der Amazon-Chef 120 Milliarden Dollar auf der hohen Kante. Mit einem derart gut gefüllten Bankkonto hat man gut lachen. Irgendwie passend, dass sein schallender Lacher eines seiner Markenzeichen ist.

Doch hinter der freundlichen Fassade steckt ein knallharter Geschäftsmann, der durchzieht, was er sich in den Kopf gesetzt hat. Mitte der Neunzigerjahre kassierte Bezos viele müde Grinser für seine Idee, über das Internet Bücher zu verkaufen. Für ebendiese Idee gab der heute 55-Jährige eine bestimmt gutbezahlte Fixanstellung bei einem Hedgefonds an der Wall Street auf. Es hat sich ausgezahlt, 25 Jahre später ist Amazon, was Amazon eben heute ist.

Unerbittlich

Anfangs wollte Bezos seine Firma "Relentless" nennen. Zu Deutsch: unerbittlich. Er sicherte sich die Domain, und bis heute führt www.relentless.com direkt auf die Amazon-Website. Als unerbittlich lassen sich auch manche seiner Geschäftsmethoden beschreiben. Ihm wurde wiederholt zur Last gelegt, Steuern zu drücken, traditionelle Händler bewusst in den Ruin zu treiben und Lieferanten auszunehmen. Nicht zu vergessen die Dauerkritik an den schlechten Arbeitsbedingungen bei dem Onlineriesen.

Glück im Spiel, Pech in der Liebe – zwar abgedroschen, aber hier passend. Einerseits wurde Amazon heuer zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Andererseits ließ sich Ex-Frau MacKenzie, mit der er vier Kinder hat, von ihm scheiden. Die Schriftstellerin erhielt 40 Milliarden Dollar.

Raumfahrt und Zeitungsgeschäft

Von seinen extravaganten außerberuflichen Aktivitäten wird ihn das nicht abhalten. Schon als Kind wollte Jeff, der eigentlich Jeffrey Preston heißt und seinen leiblichen Vater nie kennenlernte, Raumfahrer werden. Im Jahr 2000 gründete der große Star Trek-Fan sein privates Raumfahrtunternehmen Blue Origin. Für 2024 ist eine Mondlandung geplant. 2013 kaufte er die US-Hauptstadtzeitung Washington Post.

Geschäftlich hat Bezos noch lange nicht genug. Neben Shopping oder Cloud-Computing mischt der Internetkoloss Amazon auch im Streaming-Geschäft mit. "Wenn wir einen Golden Globe gewinnen, hilft uns das auf sehr direktem Weg, mehr Schuhe zu verkaufen", sagt Bezos. (Andreas Danzer, 4.7.2019)