Die Übersiedelung ist abgeschlossen – Vollbetrieb herrscht im Krankenhaus Nord ab Ende September. Medizinisch lief der Start gut, Mitarbeitern und Patienten sind aber einige Mängel aufgefallen.

Foto: Hendrich

Wien – Superlative sind das Maß der Dinge, wenn Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) vom Start des im Juni eröffneten Krankenhauses in Floridsdorf spricht: Die Übersiedelung habe "perfekt funktioniert, und das Krankenhaus hat einen fulminanten Start hingelegt", heißt es in einer Aussendung.

Erste Bilanz

Das sehen nicht alle so. Tatsächlich gab es seit der Inbetriebnahme des Spitals Anfang Juni Probleme auf mehreren Ebenen. Mitarbeiter und Patienten haben sich deswegen beim STANDARD gemeldet. Es geht um Wasserschäden, Klimaprobleme und Planungsfehler, die Personal und Patienten zu schaffen machen.

Seit Mai wurden drei komplette Spitäler sowie einzelne Abteilungen an den Standort transferiert. Rund 2.000 Mitarbeiter waren betroffen – eine Mammutaufgabe, die gut über die Bühne ging.

Laut dem zuständigen stellvertretenden Direktor des Wiener Krankenanstaltenverbunds, Herwig Wetzlinger, spricht die erste medizinische Bilanz für sich: 900 stationäre Aufnahmen, 9.500 ambulante Versorgungen sowie 250 Operationen im ersten Monat. Am ersten Tag der Geburtshilfe kam auch gleich das erste Baby zur Welt, es folgten 50 weitere.

Wasserschaden statt Baby-News

Die erste Geburt illustriert sehr gut, dass noch nicht alles rundläuft: Der KAV wäre gern mit der Geburt der kleinen Laura in den Medien gelandet – und schickte entsprechende Aussendungen aus. Am gleichen Tag wurde aber bekannt, dass es im Spital einen Wasserschaden gibt. Am Ende des Tages dominierten Berichte darüber, samt Videos. Wenige Tage später kam es zu einem weiteren Wasserschaden, und bereits vor der Übersiedelung gab es andere.

Bei einem Besuch der Geburtenstation vor wenigen Tagen herrschte dort bei den Mitarbeitern große Zufriedenheit über die ersten Tage und das Übersiedeln – DER STANDARD berichtete.

Falsche Maße und unübliche Planung

Vieles ist moderner als in den Semmelweis-Pavillons, wo das Team bis zum Umzug arbeitete. Allerdings äußern manche Hebammen und Ärzte anonym auch Unverständnis: So mussten auf der Wochenbettstation nachträglich Wickelauflagen neu bestellt beziehungsweise getauscht werden, weil sie zu groß für die Tische waren.

"Unüblich" für ein neues Spital sei die Planung eines eigenen OPs für Kaiserschnitte, sagt ein Arzt. Zwar stimme das Gerücht nicht, dass in den Kreißsälen des Spitals auf Narkoseschläuche vergessen wurde und es deswegen nun die Lösung mit dem Operationssaal gibt – in zwei der sieben Geburtszimmer seien Kaiserschnitte möglich, das war so vorgesehen. Die Überlegung war offenbar, dass es effizienter ist und schneller geht, die Schwangere in den OP und somit zum benötigten Personal zu bringen als umgekehrt. Nach Ansicht des Spezialisten sei das aber ein veralteter Zugang.

Schöne, aber heiße Zimmer

Begeistert sind viele Patienten und Besucher von den geräumigen Zimmern, in denen maximal zwei Betten stehen. Allerdings mussten sie in ihnen besonders in den letzten Junitagen höhere Temperaturen in Kauf nehmen. Auf eine Klimaanlage wurde aus ökologischen und finanziellen Gründen verzichtet, gekühlt wird mit einem mechanischen Kühlsystem mittels Fernkälte. Der Zielwert von 22 bis 26 Grad wurde in einigen Bereichen überstiegen, wie der ORF berichtete. In einem Zimmer wurden 28 Grad gemessen. Laut dem technischen Direktor arbeite man an der Korrektur. Grund für die Hitze könnten demnach auch Mitarbeiter sein, die den Umgang mit den Jalousien noch nicht beherrschen.

Was denen noch zu schaffen machen dürfte, sind lange Wege: Für Besucher und Patienten wirke die räumlich großzügige Planung sicher attraktiv, für Mitarbeiter würde sie aber viele zusätzliche Kilometer bedeuten. Eine Pflegerin nimmt es optimistisch: "Wir werden uns schon noch daran gewöhnen, hoffe ich." (Lara Hagen, 5.7.2019)