Washington – Normalerweise halten sich US-Präsidenten bei den Feiern zum 4. Juli – dem US-amerikanischen Nationalfeiertag – im Hintergrund. Die Bürgerinnen und Bürger sollen im Mittelpunkt der zahlreichen Festveranstaltungen stehen. Nicht so bei Donald Trump: In Anlehnung an pompöse Paraden in Paris, Moskau und Pjöngjang ließ auch der US-Präsident diesmal in Washington eine Leistungsschau der US-Streitkräfte abhalten.

"Mit dieser sehr besonderen Ehrenbezeugung für Amerika kommen wir heute als eine Nation zusammen", sagte Trump vor zehntausenden Menschen auf der von zwei Panzern flankierten Bühne am Lincoln Memorial. "Wir feiern unsere Geschichte, unser Volk und die Helden, die stolz unsere Flagge verteidigen – die tapferen Männer und Frauen des Militärs der Vereinigten Staaten." Hinter schusssicherem Glas sagte er: "Unsere Nation ist heute stärker als je zuvor. Sie ist jetzt am stärksten." Zudem versprach er, dass die USA "sehr bald die amerikanische Flagge auf dem Mars hissen" werden.

Kampfbomber fliegen über Washington.
Foto: ap semansky

Zum Auftakt seines Auftritts ließ Trump eine der beiden Boeing 747 im Tiefflug über Washington fliegen, die zur Air Force One werden, wenn der US-Präsident an Bord ist. Es folgten Überflüge von insgesamt 21 Armeehubschraubern und Kampfflugzeugen, darunter auch ein B2-Tarnkappenbomber, während Trump die einzelnen Teilstreitkräfte würdigte. Auf der National Mall waren mehrere Panzer ausgestellt.

Der Präsident nannte die US-Truppen "die besten Soldaten auf der Erde" und rief junge Amerikaner dazu auf, sich den Streitkräften anzuschließen. In seiner von Patriotismus getragenen Rede sagte er: "Wir werden nie vergessen, dass wir Amerikaner sind und dass die Zukunft uns gehört." Trump fügte hinzu: "Wir sind ein Volk, das einen Traum und ein großartiges Schicksal verfolgt. Wir alle teilen dieselben Helden, dasselbe Zuhause, dasselbe Herz, und wir sind alle von demselben allmächtigen Gott geschaffen worden."

Jahreszahlen durcheinander gebracht

Aber in Bezug auf historische Details gab es von vielen Seiten Kopfschütteln. In seinem Erzählung darüber, wie die US-Armee entstand, brachte er historische Jahreszahlen und Fakten durcheinander. Dabei lobte er, wie die Armee "die Flughäfen übernommen hat". Es blieb unklar, ob er damit Kämpfe im Jahr 1775 oder 1812 meinte. Der erste Flug fand aber grundsätzlich erst viel später, nämlich 1903 statt.

Einheit oder Spaltung?

Trump rief in seiner Ansprache zwar zur Einheit auf, es ist aber er selbst, der die Nation in vielen Punkten spaltet. Sein Auftritt und die Militärschau am Unabhängigkeitstag sorgten vorab wieder einmal für eine heftige Kontroverse. Kritiker warfen ihm vor, die Feierlichkeiten zu politisieren und zu militarisieren, denn für gewöhnlich begehen US-Präsidenten den Nationalfeiertag im Weißen Haus, eineinhalb Kilometer Luftlinie vom Lincoln Memorial entfernt. Die Feierlichkeiten am Independence Day auf der National Mall – einer Promenade zwischen dem Kapitol, dem US-Parlament, und dem Lincoln Memorial – sind traditionell unpolitisch, Höhepunkt ist normalerweise das jährliche Feuerwerk am Abend.

Das Feuerwerk ist der Höhepunkt.
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Trump wünscht sich eine Militärparade in Washington, seit er eine solche 2017 als Ehrengast beim französischen Nationalfeiertag in Paris gesehen hat. Seine Pläne für eine Militärparade in der US-Hauptstadt im vergangenen Jahr wurden fallengelassen, als die Kostenschätzungen von rund 92 Millionen Dollar öffentlich wurden. Am Donnerstag gab es zwar keine klassische Parade mit marschierenden Soldaten und fahrenden Panzern, aber eine Art Light-Version davon. Die Kosten hat die Regierung bisher nicht beziffert. Trump hatte am Mittwoch auf Twitter geschrieben, die Kosten "werden sehr gering sein im Vergleich zu dem, was es wert ist".

Dass Trump in seiner Rede am Donnerstagabend auf seine bei Wahlkampfauftritten übliche Polemik verzichtete, mag auch der Tatsache geschuldet gewesen sein, dass die Veranstaltung ansonsten nicht mit Steuergeldern, sondern mit Mitteln aus seinem Wahlkampffonds hätte bezahlt werden müssen.

Trump sprach im Regen hinter Panzerglas.
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Kritiker warfen dem republikanischen Präsidenten vor, ihm sei es entgegen dem von ihm gewählten Motto der Veranstaltung nicht um ein "Salute to America" gegangen, also um eine Ehrenbezeugung für Amerika, sondern um eine Profilierung seiner Person. Der demokratische Fraktionschef im US-Senat, Chuck Schumer, schrieb auf Twitter, es handle sich um eine Wahlkampfveranstaltung Trumps und um einen "verzweifelten Schrei nach Aufmerksamkeit".

Manche sahen in der Parade trotzdem eine Wahlkampfveranstaltung.
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Umstritten war auch, dass ein unmittelbar am Lincoln Memorial gelegener Bereich für Prominente abgesperrt wurde. US-Medien berichteten, ein Teil der VIP-Tickets sei von der Republikanischen Partei an Trump-Unterstützer verteilt worden. Trump nannte die Zuschauer auf Twitter "eine großartige Menge an Patrioten".

Gegendemonstration mit Baby-Trump

Trump-Gegner protestierten auf der National Mall. Die Organisation Code Pink, die sich selbst als Menschenrechts- und Friedensgruppe bezeichnet, stellte einen rund sechs Meter großen aufblasbaren Baby-Trump mit Windel zur Schau. Der Baby-Trump musste allerdings – anders als die Kampfjets – am Boden bleiben: Die Behörden erteilten keine Genehmigung dafür, ihn in die Luft steigen zu lassen.

Ein rund sechs Meter großer aufblasbarer Baby-Trump war auf der Gegendemonstration zu sehen.
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"Heute sollte nicht der Tag sein, an dem Donald Trump kommt und unseren Feiertag kapert", sagte Code-Pink-Mitbegründerin Medea Benjamin bei der Protestveranstaltung. "Heute sollte nicht der Tag sein, an dem wir Panzer auf unseren Straßen sehen." Benjamin fügte hinzu: "Wir bezahlen dafür, dass Donald Trump das Militär dazu zwingt, eine Kulisse für etwas zu sein, was wie eine Wahlkampfveranstaltung aussieht." (APA, red, 5.7.2019)