Allzeit kampfbereit – und offenbar auch allerorts: Ein Teil unserer Immunzellen stürzt sich mal in der einen, mal in der anderen Region unseres Körpers auf mikrobielle Angreifer.
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Salzburg/Wien – Dringen Bakterien oder Viren in die menschliche Haut ein, stoßen sie auf eine Abwehrreihe von ansässigen Immunzellen. Deren Kämpfer bleiben nach geschlagener Schlacht aber nicht immer vor Ort, berichten Forscher der Universität Salzburg im Fachjournal "Science Immunology". Ein Teil davon geht offenbar anschließend auf Wanderschaft und gelangt über das Blut in andere Hautregionen. Dort wird dann der Dienst wieder aufgenommen.

Ein Team um Iris Gratz vom Fachbereich Biowissenschaften der Universität Salzburg und Daniel Campbell von der University of Pennsylvania entdeckte, dass ein kleiner Anteil (weniger als ein Prozent) dieser "Gewebe-ansässigen-Gedächtniszellen" (CD4plus-CD103plus-Gedächtnis-T-Helferzellen) im Blut zirkulieren. "Das stürzt ein Dogma der Biologie, wonach diese Zellen ausschließlich im Gewebe anzutreffen sind", sagt Gratz. Manche von ihnen gehen offenbar auf Wanderschaft, finden sich in einer anderen Hautregion ein, die gerade unter Angriff steht, und gehen ihrem ursprünglichen Job nach.

Das ließe sich medizinisch nutzen: Wenn sich die Zellen auf Wanderschaft im Blut befinden, könne man sie lnämlich eichter entnehmen und erforschen als aus der Haut, meint Gratz. Die "Gewebe-ansässigen-Gedächtniszellen" sind nicht nur für die Abwehr von Krankheitserregern wichtig, sondern unterstützen auch die Wundheilung. Will man sie in Zukunft vielleicht einmal therapeutisch für die Erneuerung verletzter Hautregionen einsetzen, sei dies nach den neuen Erkenntnissen leichter als gedacht: Man könnte sie einfach ins Blut injizieren und müsste sie nicht umständlich in die Haut transplantieren. (APA, red, 6. 7. 2019)