"Am Ende des Tages ist es Tennis", sagt Nick Kyrgios. "Ist es wirklich so wichtig? Für mich nicht."

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London – Selten hat man Rafael Nadal nach einem Zweitrunden-Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier derart jubeln gesehen. Nick Kyrgios, unbestritten das Enfant terrible der Tennis-Szene, geht dem 18-fachen Major-Sieger unter die Haut. Der hochtalentierte, aber immer wieder mit Motivationsproblemen kämpfende Australier hat am Donnerstag einmal mehr gezeigt, was in ihm steckt.

Das bessere Ende hatte diesmal aber der zwölffache French-Open-Sieger Nadal für sich. Der 33-jährige Mallorquiner stellte im Head-to-Head mit dem neun Jahre jüngeren Weltranglisten-43. auf 4:3. Der 6:3,3:6,7:6(5),7:6(3)-Sieg über Kyrgios war eine späte Revanche für die Niederlage im bis dato einzigen Major-Aufeinandertreffen der beiden so unterschiedlichen Spielertypen. 2014 hatte Kyrgios im Wimbledon-Achtelfinale noch als Teenager in vier Sätzen gewonnen.

Am Vorabend im Pub

"Wie ich schon sehr oft gesagt habe, er ist ein top talentierter Spieler. Aber es gibt eine Menge Dinge, die man tun muss, wenn man ein Champion werden will", sagte Nadal und sprach das nötige Commitment an. "Wenn du dieses Spiel nicht wirklich liebst, ist es schwierig, große Dinge zu erreichen." Kyrgios, der am Abend vor dem Match in einem Pub gesehen wurde, gab zu, dass er "nicht der professionellste Spieler" ist. "Im Moment glaube ich nicht, dass ich einen Grand Slam gewinnen kann."

Kyrgios zeigt gegen die besten Spieler oft auch sein bestes Tennis, gegen andere Spieler mangelt es ihm oft sichtlich an Motivation. Oder er verliert sich in Streitereien mit Schiedsrichter und Publikum. So unberechenbar wie auf dem Platz mit Tweeners (zwischen den Beinen gespielte Bälle), Aufschlägen von unten und sonstigen Mätzchen, so unberechenbar ist er auch in seinen Interviews. So attackierte er u.a. Mitte Mai Novak Djokovic und unterstellte dem Serben, dass dieser "süchtig" sei, "gemocht zu werden".

Aufgeregte Fragen

Auch mit den Medien legt sich Kyrgios immer wieder an. Gleich die erste Frage nach der Niederlage gegen Nadal war freilich auch provokant: "Glaubst Du, dass Du besser gespielt hättest, wenn du vergangene Nacht nicht ins Pub gegangen wärst?" – Kyrgios Antwort: "Nein". Und nach einer Nachdenkpause: "Du siehst viel zu aufgeregt aus, dass du diese Frage stellen konntest. Du musst ein wirklich langweiliges Leben haben."

Nach einer langen Frage eines anderen Medienvertreters antwortete Kyrgios zunächst ausführlich, bedankte sich für die Gratulation. Doch als derselbe Journalist noch nachfragte, meinte der "Aussie": "Das sind zwei Fragen in Folge, warte bis du dran bist." (5.7.2019)