"Dass ihre Hände wieder funktionieren, hat für Querschnittsgelähmte oberste Priorität, noch vor dem Gehen und sexuellen Funktionen", sagt Studienleiterin Natasha van Zyl.

Foto: Getty Images/iStockphoto

Paris/Canberra – Eine bisher selten angewandte OP-Methode gibt Querschnittsgelähmten Hoffnung, ihre Bewegungsfähigkeit zumindest teilweise wiederzuerlangen: Laut einer Studie konnten Chirurgen in Australien mit Hilfe einer komplexen Nerventransplantation gelähmten Patienten die Bewegung von Armen und Händen wiedergeben. Bei 13 von 16 Patienten war die Methode erfolgreich, wie das Fachmagazin "The Lancet" berichtete.

Das OP-Team verwendete noch funktionsfähige Nerven, um gelähmte Muskeln beweglich zu machen. Für die Transplantation nutzten die Chirurgen demnach Nerven, die oberhalb der Rückenmarksverletzung lagen. Diese brachten sie an den gelähmten Armmuskeln an. Die Patienten lernten mit einer intensiven Physiotherapie im Zeitraum von zwei Jahren, um die gelähmten Muskeln zu stimulieren. Dadurch schafften sie es wieder selbstständig einige alltägliche Tätigkeiten zu verrichten, etwa zu essen und zu trinken, Zähne zu putzen, zu schreiben, den Computer zu benutzen und einen Rollstuhl anzutreiben.

Laut dem Journal handelt es sich um die größte Fallstudie zu der Methode: Diese war zwar schon seit längerem bekannt, wurde aber "nie wirklich bei Querschnittslähmungen angewandt", sagt Hauptautorin Natasha van Zyl vom Austin-Gesundheitszentrum in Melbourne.

Selbständig Zähneputzen und Schreiben

Bei 13 von insgesamt 16 Testpersonen war die OP-Methode erfolgreich. "Dass ihre Hände wieder funktionieren, hat für Querschnittsgelähmte oberste Priorität, noch vor dem Gehen und sexuellen Funktionen", betont van Zyl.

Die Studienerkenntnisse seien ein "riesiger Fortschritt", so die Medizinerin weiter. Das Expertenteam um Zyl betonte jedoch auch, dass es sich bei der Testgruppe um ein kleine Stichprobe handelte. Bei drei der Studienteilnehmer blieb der Versuch der Muskelreaktivierung erfolglos. (APA, red, 6.7.2019)