Megan Rapinoe ist wieder fit, die Stars and Stripes haben beste Chancen, das Dutzend an WM-Siegen en suite vollzumachen.

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Mit Heimvorteil wurden die Oranje-Leeuwinnen Europameisterinnen, ins Finale der WM gehen sie guten Mutes, aber als Außenseiterinnen.

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Die USA haben es zum dritten Mal in Folge ins größte Endspiel geschafft.

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Die Kritik an US-Trainerin Jill Ellis ist verstummt.

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Sarina Wiegman, die Trainerin der Leeuwinnen.

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Beim Ringen an drei Fronten erscheint der Griff nach dem vierten Stern für den ebensovielten WM-Titel beinahe als leichteste Übung für die Fußballerinnen der USA. Zumal Megan Rapinoe nach dem verpassten Halbfinale gegen England (2:1) am Sonntagnachmittag (17 Uhr, ORF Sport+) im Parc Olympique Lyonnais wieder spielen kann. "Meinem Oberschenkel geht es immer besser, ich werde fit für das Finale", sagte die Kapitänin, die am Freitag den 34. Geburtstag feierte.

Im Duell mit den Europameisterinnen sind die USA dank ihrer konstanten Vormachtstellung klare Favoritinnen. Als zweites Team nach Deutschland 2007 könnten sie die erfolgreiche Titelverteidigung feiern – und damit am Ende der Nationalfeiertagswoche auch für ihre politische Agenda das passende Statement setzen.

"Zutiefst amerikanisch"

Zum einen im öffentlichen Disput mit Präsident Donald Trump. Angeführt von Frontfrau "Pinoe", die gegen Rassismus, Homophobie und Geschlechterdiskriminierung kämpft, aus Protest die Nationalhymne vor den Spielen nicht mitsingt und mit deutlichen Worten ankündigte, im Falle des Titelgewinns "garantiert nicht" ins Weiße Haus zu kommen. Dennoch sei sie "einzigartig und zutiefst amerikanisch", wie Rapinoe der Tageszeitung Independence Day versicherte.

Teamkollegin Ali Krieger sprang ihr zur Seite. Die Abwehrspielerin, die mit Torhüterin Ashlyn Harris verlobt ist, sagte bei CNN: "Ich lehne es ab, einen Mann zu respektieren, der anderen keinen Respekt zollt."

Zum anderen ist da die Klage des Teams gegen US Soccer. Der Vorwurf: systematische Geschlechterdiskriminierung. Die Auseinandersetzung läuft seit Jahren, im März zog das Team dann vor Gericht. Nach der WM steht zunächst einmal ein Schlichtungsverfahren an.

Die Spielerinnen sind bei ihrem Verband angestellt und fordern nicht nur bessere Bezahlung. Auch in puncto Arbeitsbedingungen, sprich Reisekomfort, Trainingscamps oder Stadien für Länderspiele, sehen sie sich im Vergleich zu den ungleich erfolgloseren Nationalspielern schwer benachteiligt.

Stars-and-Stripes-Rekordlauf

All diesen Nebengeräuschen zum Trotz haben es die Titelverteidigerinnen zum dritten Mal in Folge ins größte Endspiel geschafft. Ganz ohne Ausrutscher, dafür mit einem Rekordsieg gegen Thailand (13:0) und einer Rekordserie (turnierübergreifend elf WM-Siege en suite).

Gegen diese schiere Übermacht wollen und müssen die Oranjeleeuwinnen kämpferisch bestehen. "Bei der Heim-EM lief bei uns vieles wie von selbst. Nun haben wir gelernt, wie man Spiele gewinnt", sagte Torhüterin und Kapitänin Sari van Veenendaal nach dem knappen Halbfinalsieg über Schweden (1:0 n. V.). Etwas gebangt wurde um Torjägerin Lieke Martens vom FC Barcelona, die gegen die Schwedinnen wegen einer Zehenblessur ausgetauscht werden musste.

Während der große Nachbar Deutschland gegen den Abwärtstrend kämpft, legen die Niederländerinnen mit klugem Konzept einen märchenhaften Aufstieg hin. Bei ihrer erst zweiten WM greifen sie schon nach dem Pokal. Und das auf den Tag genau 45 Jahre nach dem ersten Finale der Männer um Idol Johan Cruyff bei der Endrunde 1974 in Deutschland.

Duell zweier Trainerinnen

Trainerin Sarina Wiegman (49) fand es einfach "unglaublich", in Frankreich um den Titel spielen zu können. In Lyon gegenüberstehen wird ihr Jill Ellis. Es ist erst das zweite Mal nach 2003, dass in einem WM-Endspiel zwei Trainerinnen das Sagen haben. Wiegman, die selbst mehr als 100 Länderspiele für die Niederlande bestritten hat, wünscht sich, dass mehr Frauen nicht nur im Fußball "den Mumm haben sollten, Entscheidungen zu treffen und das Risiko einzugehen, höhere Posten anzustreben".

Ihre in England geborene Kollegin Ellis (52) war vor der WM von der ehemaligen Torhüterin Hope Solo attackiert worden. Ellis sei keine Anführerin, verlasse sich zu sehr auf ihre Assistenten und komme mit dem Druck nicht klar. Solo war nicht zuletzt von Ellis nach dem Viertelfinal-Aus der USA bei Olympia 2016 ausgebootet worden.

Schon am Samstag (17.00, ZDF) spielen England und Schweden in Nizza um Platz drei. Daneben geht es für Lionesses-Torjägerin Ellen White im Fernduell mit US-Stürmerin Alex Morgan, die ebenfalls bei sechs Treffern hält, um den Titel der Schützenkönigin. Rapinoe, die bei fünf Toren hält, könnte da allerdings noch dazwischenfunken. (sid, APA, lü, 6.7.2019)