Ägyptens Anhängerschaft musste leiden.

Foto: REUTERS/Amr Abdallah Dalsh

Kairo – Mohamed Salah vergrub sein zerknirschtes Gesicht im dunkelroten Trikot, den schweren Kampf mit den Tränen hatte er zu diesem Zeitpunkt längst verloren. Das viel zu frühe Aus beim Afrika-Cup schmerzte den "König der Pharaonen" sichtlich – bestürzt und fassungslos verließ Ägyptens Fußball-Held nach dem Achtelfinal-K.o. das totenstille International Stadium von Kairo.

Mohamed Salah und sein Moment der Enttäuschung.
Foto: REUTERS/Amr Abdallah Dalsh

0:1 (0:0) stand während Salahs unrühmlichem Abgang noch immer auf der riesigen Anzeigetafel im Rücken des Superstars, der mit dem Top-Favoriten überraschend an den widerspenstigen und entschlossenen Südafrikanern scheiterte. Für den Angreifer des FC Liverpool war das eine bittere Enttäuschung, für den Rekordsieger das Signal für den Umbruch.

Personelle Folgen

"Es ist die moralische Verpflichtung, diesen Schritt zu gehen", sagte Verbandspräsident Hani Abou Rida über seinen Rücktritt, der nur wenige Stunden nach dem Schlusspfiff erfolgte – und freilich nicht die letzte personelle Entscheidung in der Nacht zum Sonntag blieb. Nationaltrainer Javier Aguirre musste seinen Posten nach nicht einmal einem Jahr wieder räumen.

Der Mexikaner, der nach der verkorksten WM-Endrunde 2018 in Russland eigentlich den Neubeginn hatte anleiten sollen, sah seine Entlassung vermutlich schon kommen. "Ich übernehme die volle Verantwortung", sagte Aguirre kleinlaut nach der Niederlage, die Südafrikas Thembinkosi Lorch (85.) mit einem späten Treffer besiegelte: "Und ich dulde keine Kritik an meinen Spielern."

Salah unauffällig

Die wäre allerdings durchaus angebracht gewesen, der siebenmalige Turniersieger agierte uninspiriert. Nicht zum ersten Mal in diesen Tagen ließ auch Salah seine Weltklasse vermissen, der 27-Jährige kehrt nun immerhin früher als vermutet zum Champions-League-Sieger aus Liverpool zurück.

Möglicherweise hemmte auch die Unruhe über die Rückkehr des umstrittenen Mittelfeldspielers Amr Warda die Ägypter. Der 25-Jährige war wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung zunächst vom Verband EFA suspendiert und dann für die K.o.-Runde begnadigt worden. Gegen Südafrika wurde Warda in der 64. Minute eingewechselt – er konnte das Aus aber auch nicht verhindern. "Wir sind alle betrübt", sagte Aguirre, "es ist eine traurige Nacht."

So traurig sogar, dass die einheimischen Medien ungewöhnlich hart mit Salah und seinen Mitspielern ins Gericht gingen. "Unser Team hat Millionen von Menschen bitter enttäuscht und blamiert", schrieb das regierungsnahe Journal Al-Akhbar. Nach "katastrophalen Fehlern" titelte die Zeitung Al-Watan: "Unser Traum ist in Rauch aufgegangen."

Der Gastgeber war derweil nicht das einzige hoch gehandelte Team, das früher als erwartet die Heimreise antreten musste. Auch Titelverteidiger Kamerun scheiterte in der Runde der letzten 16 Mannschaften. Das Team des ehemaligen Weltstars Clarence Seedorf verlor mit 2:3 (1:2) gegen Nigeria, die Super Eagles treffen im Viertelfinale nun auf Südafrika. (sid, 7.7.2019)