Die 19-jährige US-Sängerin Halle Bailey wird die Hauptrolle im Arielle-Musical spielen.

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Meerjungfrauen gibt es viele. Sie heißen Amanda, Stayce, Cheyenne, Kourtney oder Ashley. Wer in jüngerer Zeit einmal im Weeki Wachee Springs State Park im US-Bundesstaat Florida war, weiß, dass die Hautfarbe bei Nixen heute keine Rolle mehr spielt. Das Unterwassertheater war einst das Familienausflugsziel im Südosten der USA. Doch dann kamen Disneyworld und Co, und die Mermaids-Tauchshow geriet fast in Vergessenheit – bis ausgerechnet Disneys Zeichentricksuperstar Arielle im Jahr 1989 das Interesse an kleinen Meerjungfrauen in allen Kinderzimmern dieser Welt wieder nach oben spülte und dem legendären Underwater Mermaid Theatre in Florida das Überleben sicherte.

Nun kündigte der Disney-Konzern an, das Märchen von Hans Christian Andersen neu zu verfilmen – als Live-Action-Musical mit der 19-jährigen US-Sängerin Halle Bailey in der Hauptrolle. Sie verfüge über eine seltene Kombination von "Geist, Herz, Jugend, Unschuld und Substanz", gepaart mit einer "wunderbaren Singstimme", schwärmt Regisseur Rob Marshall.

Aufruf zum Boykott

Doch kaum hatte Bailey getwittert, dass mit der Filmrolle für sie ein Traum wahr werde, meldete sich die Schwarmunintelligenz in sozialen Netzwerken zu Wort: #notmyariel entwickelt sich zum Hashtag-Schneeball. Warum? Weil Halle Bailey afroamerikanischer Herkunft ist und dunkle Hautfarbe hat. Eine schwarze Meerjungfrau wollen offenbar viele nicht und rufen schon jetzt zum Boykott des Films auf. Mit Rassismus habe das nichts zu tun, wird scheinheilig argumentiert, Arielle sei nun einmal hellhäutig und rothaarig.

Die offene Ablehnung stößt auf Twitter und Co aber auf heftigen Widerspruch. "Manchmal bin ich irgendwie froh, dass wir den Planeten zugrunde richten. Eine Spezies, die #notmyariel auf Twittertrend Platz eins postet, hat es einfach nicht verdient, zu überleben", schreibt ein User.

Mensch oder Luftgeist

Geht es nach Disney, wird es ein Happy End geben. Arielle setzt sich gegen die böse Seehexe durch und findet ihr Glück als Mensch bei den Menschen. Geht es nach Hans Christian Andersen, dem die Kopenhagener auch die (recht dunkle) kleine Meerjungfrau an der Uferpromenade Langelinie verdanken, wird es eher tragisch enden. Seine kleine Schwanzflossenheldin löst sich aus Liebeskummer in Schaum auf und wird zum Luftgeist. So oder so: zum Weinen. (Michael Simoner, 7.7.2019)