Wenn Zellen einen Menschen aufbauen, ist ihre Laufbahn nicht immer vorab festgelet.

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Wien – Die "Karriere" einer Zelle ist nicht immer von Anfang an festgelegt. Während des Embryonalstadiums gibt es noch einen gewissen Spielraum für Flexibilität, berichtet ein Team mit Beteiligung von Forschern der Uni Wien im Fachjournal "PNAS". So können die Vorläufer von Nervengewebszellen – sogenannte Schwann-Vorläuferzellen – manchmal zu Knorpel- und Knochenzellen des Schädel- und Rumpfskeletts werden.

Ein Team um Andrei Chagin vom Karolinska Institut im schwedischen Solna untersuchte das Schicksal von Schwann-Vorläuferzellen in Mäusen. Konformistisch ausgebildete Schwann-Zellen bilden Hüllen für die Leitungen (Axone) von Nervenzellen, die sie elektrisch isolieren. Manche Schwann-Vorläuferzellen wählten aber einen anderen Weg und gingen gleichsam in die Schule für Skelettapparatszellen. Aus ihnen wurden bei den Nagern Knorpel- und Knochenzellen des Schädels und des Rumpfskeletts einschließlich Rippen und Schulterblättern.

Dies passierte aber ausschließlich im Embryonalstadium, eine spätere "Umschulung" ist demnach nicht möglich, so die Forscher. Auch bei Zebrafischen konnten sie beobachten, dass Schwann-Vorläuferzellen letztlich keine Funktion im Nervensystem erfüllten, sondern zu Knorpelzellen wurden. Damit ist laut den Forschern solche Flexibilität evolutionär festgelegt und nicht nur bei einzelnen Organismen möglich. (APA, red, 9. 7. 2019)