Im Zuge der Bauerbeiten am Basistunnel Semmering kam es offenbar zu Trübungen im naheliegenden Bach.

Foto: Wilfried Scherzer

Wien/Gloggnitz – In Göstritz in Niederösterreich herrscht Aufruhr um einen getrübten Bach. Der Auebach, er fließt durch Göstritz, soll seit dem Wochenende getrübt, gar schlammig sein. Grund dafür soll ein Wassereinbruch sein, der im Zuge der Bauarbeiten am Semmering-Basistunnel entstand, so die Bürgermeisterin der Stadt Gloggnitz, Irene Gölles.

Sie berichtete auf der Website der Stadt davon, dass Anzeige bei der Polizei erstattet worden sei und diese Wasserproben für eine Analyse entnommen habe. Ergebnisse lägen noch nicht vor. Fest stehe, dass durch die Trübung "das Gloggnitzer Trinkwasser in keinster Art und Weise beeinträchtigt ist".

Wassermenge "grundsätzlich zu bewältigen"

Gölles veröffentlichte außerdem Auszüge aus einem Schreiben, dass sie von der ÖBB erhalten haben soll. Darin heißt es, die Trübungen seien "unbedenklich und mit einer Situation nach einem starken Regen vergleichbar".

Es handle sich mit 60 Liter pro Sekunde um eine Wassermenge, die "grundsätzlich zu bewältigen" sei, "da für diesen Abschnitt bis zu 300 Liter pro Sekunde prognostiziert waren". Das Wasser, das auch Sand aus dem Gebirge löse, werde "in die Gewässerschutzanlage auf der Baustelle gepumpt, aufbereitet und dann in den Göstritzbach eingeleitet". Durch den ausgelösten Sand könne es zu Trübungen kommen.

"Um den Wasseraustritt zu beherrschen, werden verstärkt sogenannte Injektionen gesetzt", so die ÖBB weiter. Sie würden das Gestein festigen. Die Injektionen könnten im Göstritzbach eine Schaumbildung auslösen.

Forellen evakuiert

Wilfried Scherzer-Schwarzataler, grüner Gemeinderat in Reichenau, ließ dem STANDARD Fotos des Auebachs zukommen. Sie zeigen, so seine Angaben, im Bach und an der Einmündung des Auebachs in die Schwarza Trübungen im Wasser.

Fotos zeigen Verfärbungen im Bach.
Foto: Wilfried Scherzer

Der Kurier berichtet, dass auch die Zuchtanlagen des Gloggnitzer Fischereivereins mit dem weißen Sediment geflutet wurden. Nur ein kleiner Forellenbestand soll in einem Becken mit reinem Wasser gerettet worden sein können. "Das mit dem trüben Wasser nach einem Gewitter zu vergleichen, ist eine Verhöhnung", wird Erich Schabus, der Obmann und Fischereiberechtigte für die Schwarza und deren Nebengerinne, zitiert.

Landeshauptmannstellvertreter will Klarheit

Niederösterreichs LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) sieht die ÖBB "gefordert, schnellstmöglich für Klarheit zu sorgen und die Verunreinigung der Gewässer zu stoppen". Die Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen verwies auf intensive Untersuchungen, die eingeleitet seien.

Laut den bisherigen Informationen handelt es sich um sehr feinen Sand, teilte die Verwaltungsbehörde mit. Die Verantwortlichen der ÖBB seien bereits aufgefordert worden, technische Lösungen zu finden und die Ableitung von getrübtem Wasser möglichst rasch zu beenden. (red, APA, 9.7.2019)