Botschafter Botschafter Kim Darroch in der ersten Reihe bei der Pressekonferenz Theresa Mays und Donald Trumps, Washington, Jänner 2017.

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London/Washington – In der Affäre um kritische interne Berichte des britischen Botschafters in Washington über die Regierung von Donald Trump bemüht sich London um Schadensbegrenzung. Die britische Regierung habe ihr Bedauern in der Sache zum Ausdruck gebracht, sagte ein Regierungssprecher am Montagabend.

Über eine Abberufung von Botschafter Kim Darroch wurde jedoch nichts bekannt. Für London geht es offensichtlich darum, weder die Beziehungen zu den USA zu beschädigen noch unterwürfig zu erscheinen.

Unterstützung für Darroch

Die in die Öffentlichkeit gelangten Auszüge aus internen Berichten gäben die Intensität der Beziehungen und deren Wertschätzung durch Großbritannien nicht angemessen wieder, sagte der Sprecher. Darroch genieße weiter die volle Unterstützung von Premierministerin Theresa May. "Das Vereinigte Königreich hat eine besondere und beständige Beziehung zu den USA, die auf unserer langen Geschichte und unserem Bekenntnis zu gemeinsamen Werten beruht, und das wird auch weiter so sein", betonte der Sprecher.

Die britische "Mail on Sunday" hatte am Wochenende aus vertraulichen Memos des Botschafters zitiert. Darin wird Trumps Regierung als "unfähig" bezeichnet. Der US-Präsident strahle Unsicherheit aus und agiere ungeschickt.

Echtheit unbestritten

Die Einschätzungen reichen den Angaben zufolge von 2017 bis in die Gegenwart. Das britische Außenministerium bestritt die Authentizität nicht und erklärte, die Öffentlichkeit erwarte, dass Botschafter Ministern eine ehrliche und ungeschminkte Bewertung der Lage in ihren Ländern geben.

Trump reagierte wie üblich auf Twitter. Über Darroch schrieb er am Montag: "Ich kenne den Botschafter nicht, aber er ist in den USA nicht beliebt oder wird geschätzt." Und fügte hinzu: "Wir werden uns nicht mehr mit ihm befassen." Am Dienstag legte er kurz vor 8 Uhr Ortszeit nach und bezeichnete Darroch als "verrückten Botschafter" und als "sehr dummen Typen".

Weiter schrieb der US-Präsident: "Ich kenne den Botschafter nicht, aber mir wurde gesagt, er sei ein aufgeblasener Dummkopf."

Donald Trump ist soeben aufgestanden und bezeichnet den britischen Botschafter Darroch als "dummen Kerl".

Auch May und ihren Brexit-Kurs attackierte Trump mit scharfen Worten: "Was für ein Durcheinander sie und ihre Vertreter angerichtet haben. Ich habe ihr gesagt, wie man es machen sollte, aber sie hat sich entschieden, einen anderen Weg zu gehen." Aber es gebe da eine "wundervolle Nachricht": Bald werde Großbritannien einen neuen Premierminister haben.

Trump unterstützt Boris Johnson

Im Rennen um den Vorsitz der regierenden Tories und die Nachfolge von Premierministerin May stehen sich der ehemalige Londoner Bürgermeister Boris Johnson und Außenminister Jeremy Hunt gegenüber. Trump gilt als Unterstützer des Populisten Johnson.

Nur für die britische Königin Elizabeth II fand Trump am Montag freundliche Worte: Bei seinem "herrlichen" Staatsbesuch in Großbritannien im Juni sei er am meisten von der Queen beeindruckt gewesen. (APA, dpa, 9.7.2019)